Interview mit Plutonium Orange

Plutonium Orange

Die Kings aus Suolahti und die verflixte 4

Finnbands: Zuerst möchte ich ein paar grundlegende Dinge fragen. Was bedeutet der Name Plutonium Orange?
Juha: Ich hab keine Ahnung.
Samuli: Da können wir uns nicht mehr erinnern.
Antti: Wir wissen es nicht.
Juha: Ich denke, das ist, weil es so verdammt gut klingt. Das ist wie Plutonium und du hast Orange(n) in fast allem (zeigt auf sein T-Shirt, das von einer Gitarrenfirma Namens Orange ist). Ich denke, das hat keine wirkliche Bedeutung.
Pasi: Nicht viel, nur Plutonium und Orange.

Finnbands: Wann wurde die Band ursprünglich gegründet?
Erstmal betretenes Schweigen.
Pasi: 2000, da bin ich nach Jyväskylä gezogen.
Samuli: Wir haben uns in einer Bar getroffen.
Pasi: Und ich hab Juha angerufen: "Hast du irgendwelche Bandprojekte am laufen? Ich steh zur Verfügung!"

Finnbands: Wessen Idee war die Wiedervereinigung von Plutonium Orange?
Pasi: Wir waren in einer Bar, wie immer und ich war total besoffen. Die Jungs haben mit mir am Tisch gesessen und ich hab dann gesagt: "Hey, lass uns doch wieder zusammen kommen und ein paar Shows spielen." Und alle waren einverstanden.
Juha: Das waren zwei Jahre (Ich tippe mal, seit der Trennung -Anm. Fiba)
Samuli: Fast drei.
Pasi: Vier.
Antti: Nein, drei.
Pasi: (grinsend) Vier, klingt besser.
Samuli: nickt: 4 Jahre (alle grinsen)
Antti: Drei.
Juha: Zweieinhalb Jahre.
Pasi lachend: Vier!
Juha: (schulterzuckend) Ok, vier.

Finnbands: Pasi und Juha sind in Swallow the Sun. Haben Samuli und Antti derzeit irgendwelche Projekte in denen sie aktiv sind?
Samuli: Ja, ich spiele in einer Band, die sich Kiro nennt. Wir spielen so eine Art 'Fusion', das ist aber nicht so hart wie 'Plutonium Orange'.
Antti: Ich habe anderthalb Jahre in einer Band gespielt, die sich Elisabeth Underground nannte. Die haben so Trip Hop gespielt
Finnbands: Also spielst du derzeit in keiner Band?
Antti: Doch, aber wir haben noch keinen Namen.
Pasi: Rasmus (alle lachen)
Samuli: Nein, das sind Negative. Das ist Antti Anatomy (allgemeines Gelächter).
Juha: (winkt ab) Versuch hier irgendwas Sinnvolles raus zu bekommen.

Finnbands: Ihr habt also seit drei oder 4 Jahren keine live Shows mehr gespielt?
Samuli: Unsere letzte Show war im Januar 2004.
Pasi: Vier!
Samuli: Was bedeutet, das es schon fast drei Jahre her ist.
Juha: Wir haben zwischendrin und jetzt sind es halt erst mal diese drei Shows und dann wird es das wohl gewesen sein, für einige Zeit.

Finnbands: Wie viele Demos hattet ihr veröffentlicht?
Pasi: Vier, genau! (allgemeines Gelächter)
Samuli: Vier!
Antti: Waren das nicht mehr?
Samuli: Fünf, aber wir haben das letzte nicht so richtig veröffentlicht.
Finnbands: Dann zählt doch einfach mal die Namen auf.
Pasi: Volume.
Juha: War das Volume?
Samuli: Nein, Fruit of the Doom.
Pasi: Nein, das war das Zweite.
Samuli: Zuerst war 'Into the Ground'
Juha: Das erste war 'Fruit of the Doom', auf dem zweiten Demo 'Volume' war dann der Song 'Fruit of the Doom' danach 'Waiting for the Gun' und 'Killer by the road'. Dann hatten wir noch ein fünftes aufgenommen, aber nicht veröffentlicht.

Finnbands: Ich hab gelesen, dass einer eurer Songs auf einem Sampler veröffentlicht wurde, ist das richtig?
Pasi: "The great Desert Adventures" eine Stoner Rock Compilation und auf einem Sampler der 'Finnish youth against drugs'
Juha: Auf dieser CD waren auch Nightwish, aber das war, bevor sie bekannt wurden.

Finnbands: Ich habe gesehen, dass eine Band euch als Einfluss in ihrem MySpace benennt. Wusstet ihr das?
Juha: Es gibt alle möglichen verrückten Leute. Nein, das wusste ich nicht, aber ich kann ihnen da keine Vorwürfe machen. Das ist klasse. Ich denke, wir haben in der Zeit, als wir unsere Demos veröffentlicht haben, viel Lob und Anerkennung bekommen, unter anderem auch, weil wir so ungefähr alle 6 Monate neues Material veröffentlicht haben und immer sehr gute Reviews hatten.
Finnbands: Aber trotzdem habt ihr keinen Plattenvertrag bekommen.
Antti: Dieses ganze Rumgelabere, aber es hat halt nicht sein sollen.
Juha: Alle Leute haben uns gesagt, ihr seid großartig, warum habt ihr keinen Plattenvertrag, aber es hat uns niemand einen angeboten.
Das ist schon seltsam, aber wir haben nicht in die Stoner Rock Schublade gepasst und nicht in die Metal Schublade und auch nicht in die Rock Schublade. Das ist halt Plutonium Rock (es folgt Gelächter)

Finnbands: Werdet ihr noch mehr Shows spielen als die drei auf MySpace angekündigten?
Juha: Ich denke das war's für's erste, keine weiteren Konzerte, aber man weiß ja nie. Vielleicht bekommen wir dadurch gute Promotion und wir bekommen die Chance mit anderen Bands zusammen aufzutreten.
Finnbands: Aber da gibt es nichts Konkretes?
Juha: Nein, wir haben uns nur zusammen gefunden um die ‚alten Klassiker' zu spielen.
Finnbands: Ihr habt also kein neues Material einstudiert?
Juha: Nein, wir spielen nur die alten Sachen. Ich weiß im Moment gar nicht, wie viele das waren. Ich glaube das waren so in etwa..
Pasi: 19 Songs haben wir aufgenommen.
Juha: also 19 aufgenommene Songs und noch ein paar andere. Das wären knapp 2,5 Stunden wenn wir alle spielen würden.
Finnbands: Werdet ihr denn 2,5 Stunden spielen?
Juha: Nein, wir spielen nur so etwa 40 min.
Samuli: 13 minutes
Juha: 13 minutes of agony. (Gelächter)

Finnbands: Als ich mir die Sachen von Plutonium Orange angehört habe, sind mir einige Parallelen zu Swallow the Sun aufgefallen, nur ganz kurze Momente, hauptsächlich bei den Gitarren.
Juha: Ich hab fast alle Songs von Plutonium Orange geschrieben, deswegen muss man das in Swallow the Sun hören. Natürlich ist die Stilrichtung komplett anders und unser Sänger ist besser.
So, Same shit different package.

Finnbands: Du hast gerade gesagt, dass du fast alle Songs geschrieben hast, haben die anderen auch Songs geschrieben?
Samuli: Manchmal haben wir die Songs zusammen geschrieben.
Antti: Juha kam ab und zu mit ein paar Riffs an und wir haben die dann bearbeitet.
Juha: Ja ich glaube Samuli hat auch hin und wieder Riffs beigesteuert, aber ich kann mich da nicht mehr so genau erinnern. Das sind alles uralte Geschichten, sozusagen zu Moses Zeiten.

Finnbands: Bitte beschreibt euren Musikstil in ein paar Worten.
Juha: Plutonium Rock! (grinst) Metallic Rock würde ich sagen, es sind aber auch noch Einflüsse von Stoner Rock drin, aber nicht so viele.
Samuli: In unseren ersten Songs war noch ein ziemlich starker Stoner Rock Einfluss, aber der wurde immer weniger und wir haben unseren eigenen Stil entwickelt.
Juha: Ich denke wir sind ‚Metallic Riff Rock'!

Finnbands: Könntet mir was über die Geschichte der Band erzählen?
Juha: Ich hab jahrelang in einer progressiven Rock/Metalband gespielt und ich hatte einfach genug davon, diesen ganzen harten Kram zu spielen. Ich wollte eine Band gründen, wo ich einfach die Gitarre tiefer schallen und einfach drauf losrocken kann! Ich kannte Samuli, weil wir aus der selben Stadt kommen, nicht aus Jyväskylä, sondern aus Suolahti. (alle lachen wieder) Das ist der Ort an dem die ‚Kings' leben! Kennst du Machine Men?
Finnbands: Yes.
Juha: Machine Men sind aus Suolahti und wir kommen auch aus Suolahti. Pasi ist übrigens auch aus Suolahti. Das kann ich ja jetzt sagen, wo er gerade nicht da ist. (Pasi war kurz vorher aus dem Raum gegangen) Sagen wir, er ist auch aus Suolahti.
Ok, zurück zum Thema Ich hab also in dieser progressiven Metal Band gespielt und wollte endlich mal rocken, dass die Fetzen fliegen. Dann hab ich Samuli gefragt, ob er nicht Interesse hat in einer Band zu spielen, die diese Art von Musik macht. Ich wusste, dass er gut singen und auch verdammt gut Gitarre spielen kann. Ich dachte, er ist der Richtige für den Job. Als nächstes hab ich dann Antti aus dieser Bar gefragt, ich hatte von meinem Bekannten Tommi gehört, dass er ein guter Bassist ist.
Antti: Meine erste Begegnung mit Juha war nach einer durchgefeierten Nacht. Ich hab damals bei Tommi übernachtet und morgens kam Juha vorbei und hat mich dann später auch noch nach Hause gefahren.
Juha: Ich hab keine Ahnung, da kann ich mich nicht mehr dran erinnern.
Antti: Ich kannte ihn zu dem Zeitpunkt noch nicht und ein paar Wochen sind wir dann in dieser Bar aufeinander getroffen.
Juha: Dann waren wir zu dritt. Wann war das noch mal. Im letzten Jahrtausend oder? (grinst)
Antti: Genau, Ende 1999 Anfang 2000 war das.
Juha: Zuerst hatten wir diesen anderen Schlagzeuger.
Samuli und Antti brechen in schallendes Gelächter aus.
Antti: Er wurde uns vom Schlagzeuger von Sunride empfohlen, er sagte der Typ soll ganz gut sein, sie hätten schon mal zusammen gespielt. Dann hat der Typ bei uns vorgespielt. (Gelächter) Er war nicht ganz so gut. (wieder schallendes Gelächter)
Finnbands: Das hört sich für mich eher nach einer sehr diplomatischen Antwort an!
Juha (nickt): Er war nicht so schlecht, er war noch schlechter, er war schlechter als schlecht.
Antti: Und die nächste Probe war dann auch schon mit Pasi.
Samuli: Das war's.
Juha: Wir hatten am Anfang einige Probleme mit dem Proberaum, aber trotzdem hat es nicht lange gedauert, bis wir unser erstes Demo veröffentlicht haben. Das erschien ja schon 2000.
Antti: Wir haben damals zuerst bei meiner Ehemaligen Band in der Stadtmitte von Jyväskylä geprobt. Ich weiß gar nicht mehr, wir oft wir dort geprobt haben, aber nach einigen Monat haben wir dann einen guten Proberaum im Lutakko bekommen.
Finnbands: Es ist also ein ziemliches Problem einen Proberaum zu bekommen.
Antti: Wenn man keine Beziehungen hat.
Juha: Das war jetzt im Grunde genommen alles und dann haben wir Demo über Demo veröffentlicht.
Nach all den Jahren und den ganzen Demos, die wir veröffentlicht haben, für die wir allesamt gute Kritiken bekommen haben, hat sich die Atmosphäre in der Band geändert. Was zum Teufel machen wir eigentlich noch, wir gekommen doch sowieso keinen Vertrag. Lass uns aufhören.
Finnbands: Das war also der Grund warum ihr aufgehört habt.
Juha: Das war nicht der Hauptgrund. Wir hatten einfach die Schnauze gestrichen voll. Egal, wie gute Songs wir geschrieben haben, es kam nichts dabei raus, die Leute sind drauf abgefahren, aber die Plattenfirmen haben uns nicht wahrgenommen. Ich hab dann irgendwann gedacht, was zum Teufel muss ich den machen, um noch bessere Songs zu schreiben. Für mich war es dieses Gefühl, deswegen kein großes Drama. Aber die Pause hat gut getan und jetzt ist es nur noch zum Spaß.

Finnbands(zu Juha): Und dann hast du die andere Band gegründet?
Juha: Mit Swallow the Sun ging es schon 2000, also fast zur selben Zeit, los. Ich hatte Pasi erzählt, dass ich da ein paar Songs habe und wir sollten das mal ausprobieren, aber es war nicht genau zur selben Zeit.
Antti: Ich kann mich erinnern, dass Juha und Pasi nach unseren Proben länger geblieben sind und ihre Swallow the Sun Proben machten.
Juha: Aber die Gründung von Swallow the Sun hat nichts mit dem Split von Plutonium Orange zu tun.
Antti: Eine Sache, die sich in Jyväskylä entwickelt hat, ist, dass viele Bands, die ursprünglich nur als Nebenprojekt gegründet wurden, ziemlich erfolgreich wurden.
Juha: Aber ich denke irgendwann wird mal jemand diese Songs hören und realisieren 'Damit kann ich Millionen machen!' (die Jungs brechen wieder in schallendes Gelächter aus.)

Finnbands: Danke für's Interview.

22. November 2006
Interview by Lepakko © finnbands.com

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