Interview mit Moonsorrow

29.06.2007 / Tuska Festival

Das Tuska Festival war eine der wenigen Shows bei denen Mastermind Henri Sorvali, der normalerweise nicht mit auf Tour kommt, selbst in die Saiten griff. Wir hatten die Chance, ein Interview mit ihm und seinem Bruder Ville zu machen.

finnbands: Für alle die Moonsorrow noch nicht kennen, bitte beschreibt eure Band und euren Musikstil in kurzen Worten.
Henri: Wir spielen lange Songs, wir verwenden verdammt viel Verzerrer und wir hassen Leute.
Ville: Das ist wahr.
Henri (zu Ville): Du bist an der Reihe.
Ville: Ich kommentier das mal nicht.

finnbands: Ihr wart vor kurzem mit Swallow the Sun und Debauchery auf Tour. Wie war es auf der Tour?
Henri: Ich war nicht auf Tour.
Ville: Es war großartig. Wir waren mit einer netten Gruppe von Leuten für drei Wochen im selben Bus und spielten jede Menge tolle Gigs. Es waren auch einige nicht so tolle Shows dabei, das passiert aber auf jeder Tour, schönes Sightseeing in den verschiedenen Städten und ganz viele Touristenfotos.



finnbands: Wie ist das Publikum in den verschiedenen Ländern? Gibt es da Unterschiede zum Beispiel in Finnland, Deutschland oder Italien?
Ville: Ich weiß nicht so recht. Das kann ganz unterschiedlich sein, man kann da keine generelle Aussage machen. In manchen Ländern kannst du natürlich schon vorher sagen wie es wird. Wie jetzt in Ungarn, da ist das Publikum immer total am ausrasten. In Italien hatten wir jetzt nur einen Gig und da waren nur hundert Leute in einer Halle in die locker Tausend rein gepasst hätten, das war schon ein seltsamer Gig.

finnbands: Wie fandet ihr eure heutige Show?
Ville: Großartig!
Henri: Es war verdammt ärgerlich, weil ich stark eingeschränkt war.
finnbands: Wie das?
(Beide fangen an zu lachen)
Henri: Weil einige Bandmitglieder mit ernsthaften Verletzungen auf die Bühne gegangen sind und wir das trotzdem durchgezogen haben.
finnbands: Was meinst du mit ernsthaften Verletzungen?
Henri: Markus Bein war so stark angeschwollen, dass es bis auf die Größe meines Beins angeschwollen war. Er war in Nordfinnland und wurde dort von irgendeinem komischen Insekt gebissen. Im Moment ist sein Bein wie ein Baum und er kann kaum noch laufen. Ich habe mir letzte Woche einige Rippen gebrochen.
finnbands: Oh je.
Henri: Ich hab den ganzen Tag nur Schmerzmittel genommen.
Ville (grinsend): Und er war damals nicht betrunken gewesen.
Henri: Nö, ich war überhaupt nicht betrunken. (beide fangen an zu lachen)
finnbands: Im nüchternen Zustand passieren einem die schlimmsten Sachen.
Ville: Er war betrunken.
Henri: Nö, ich war total voll und viel aus einem Meter Höhe in einer dieser Kabelboxen aus Holz und Metall, aber Dinge passieren und Menschen sterben.
finnbands: Das hört sich wirklich übel an.
Henri: Versuch mal eine Nacht in meine Lage zu versetzten. Ich wache jede Stunde wegen Schmerzen auf.
Ville: So was passiert ständig in dieser Band.
Henri: Es ist immer nur Schmerz und morgen spielen wir dann The Cure-Cover (zu Ville) und zu wirst der nächste Robert Smith. (Gelächter)

finnbands: Ihr könnt ja jetzt schon auf einige Jahre Karriere zurück blicken. Gibt es da Sachen von denen ihr sagt, dass es ein großer Fehler war?
Henri: Unser erstes Album.
Ville (unterbricht ihn): Am Anfang, unser erster Plattenvertrag.
Henri: Nicht das Album, sondern der Vertrag.
Ville: Wir waren jung und wir müssten noch lernen und wir haben sehr schnell gelernt.
Henri: Wir waren jung und brauchten das Geld. (Gelächter) Wir haben einen miesen Vertrag mit einer scheiß - Plattenfirma gemacht. Die wollten uns ausbeuten. Aber wenn man ehrlich ist, hätten wir diesen Vertrag nicht gemacht, wären wir heute nicht hier und nach all den Erfahrungen die wir gemacht haben, stell dir mal vor wir hätten drei Platten für Plasmatica Records gemacht.
Ville (mit einem gequälten Lächeln): Oh ja.



finnbands (zu Ville): Ich hab gehört du würdest studieren. Wie weit bist du mit deinem Studium?
Ville: Ich studiere schon seit fast drei Jahren nicht mehr. Aber ich bin gerade am herum telefonieren, dass ich irgendwann wieder zurück an die Uni kann.
Henri: Zukünftiger Mathelehrer.
Ville: Ich hab nur herausgefunden, dass arbeiten einfach profitabler ist.

finnbands: Und seit ihr jetzt nur Musiker oder habt ihr auch noch normale Jobs?
Ville: Ich hab mehrere.
Henri: Sagen wir es mal so, ich arbeite in der Spiele - Branche. Das ist eine lange Geschichte und du wirst lachen, weil ich in der Handyspiele-Industie arbeite. Klar klingt das cool wenn ich sage, ich arbeite in der Spiele-Industrie. *Hust* Han *hust* dy Spiele-Industrie (lacht) ich bin dort Sound Designer.

finnbands: Was waren eure besten Momente auf der Bühne oder besondere Shows an die ihr euch erinnern könnt?
Ville: Eine der besten Momente auf der Bühne? Das war gerade letzte Woche in Belgien. Als mir klar wurde...
Henri (fällt ihm ins Wort): dass du nackt bist. (Lacht)
Ville: Ja, zumindest kam es mir so vor. Ein paar Augenblicke bevor das Intro anfing, hab ich mal hinter dem Vorhang geschaut, was in dem Zelt so los ist und das Zelt, dass ein Fassungsvermögen von fast zehntausend Leuten hatte, war total voll und es waren auch noch Leute davor. Ich hab nur gedacht ‚Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?'
Henri: Während dessen hab ich Bier getrunken.
Ville: Nein, es war wirklich großartig so viele Menschen auf einem unserer Konzerte zu sehen. Das ist noch niemals zuvor so gewesen.

finnbands: Und eines eurer schlechtesten Erlebnisse mit Moonsorrow?
Ville: Davon gibt es viele.
Henri: Norwegen.
Ville: Oh ja, Norwegen.
Henri: Wir fingen morgens um 10 Uhr schon mit dem Trinken an.
Ville: Ja, gleich nachdem wir dort angekommen waren.
Henri: Und unser Auftritt war erst um 1 Uhr nachts. Wir haben ungefähr 14 Stunden Bier und anderes Zeug gesoffen, dann sind wir auf die Bühne und nach dem Auftritt, bei dem wir absolut mies gespielt haben, schuldigten wir uns gegenseitig an wegen des schlechten Auftritts. Ich hab mich mit Ville gekloppt und Ville hatte eine Rangelei mit Mitja, dann haben wir uns noch mehr besoffen und alles hat sich wieder beruhigt.
Ville: Er hat sich den Kiefer gebrochen.
Henri: Oh, das war mir total entfallen. Der Drummer hatte mich am Kopf getroffen.
Ville: Aber das war nur eine Rauferei so zum Spaß.
Henri: Wir haben einen kleinen Ringkampf gemacht. Irgendwann hatte ich den Mund offen, also nicht unter Spannung oder so und plötzlich nimmt er seinen Ellenbogen nach oben und trifft mich am Kiefer. Meine Zähne haben sich ungefähr einen halben Zentimeter tief in meine Lippe gebohrt. Ich hab da immer noch eine Narbe und konnte fast fünf Tage nicht richtig sprechen.
Ville: Aber er war wenigstens ruhig, denn tagsüber hat er so viel gelabert und wir waren echt schon ziemlich genervt davon. Deswegen hatten wir dann auch beschlossen, dass wir einfach dreißig Minuten ganz still zu sein. Das war eine Herausforderung und um das ganze noch zu verstärken, haben wir alle Lichter ausgemacht und nur eine Kerze angezündet.
Henri: Und plötzlich kam der norwegische Veranstalter in den Raum. Er hat die Tür aufgemacht, fragte ob wir ein Bier wollen und wir saßen so rum. Er meinte dann nur ‚Ohhkayy' und hat die Tür ganz schnell wieder zu gemacht. Wir sind Finnen wir reden nicht gerne. (Gelächter)
finnbands: Das muss er wohl gedacht haben.



finnbands: Euer letztes Album habt ihr gerade am Anfang des Jahres heraus gebracht, aber habt ihr trotzdem schon neues Material geschrieben?
Beide: Nein.
Henri: Wir probieren niemals mit neuem Material rum. Wenn wir ins Studio gehen, dann fangen wir immer wieder bei Null an und man kann niemals sagen, wie das neue Album wird. Wir haben vor einigen Wochen ein paar Sachen probiert, das war so in der Art wie das Vorgängeralbum, aber das war nur so zum Spaß. Wir werden sehen, ob das jemals verwendet wird. Wie schon gesagt, wenn wir ins Studio gehen, fangen wir immer bei Null an und alles was wir uns zu diesem Zeitpunkt gerne anhören, fließt ein bisschen mit ins Songwriting mit ein. Es gibt viele ‚The Cure' Einflüsse, der arme Robert Smith. Ich meine, der Kerl ist wirklich arm dran, nicht in Gelddingen aber nun mal ehrlich. Er singt seit 25 Jahren, wie schlimm alles ist.
Ville: Vielleicht ist es so und er ist der einzige, der die Wahrheit erkennen kann. (Gelächter)
Henri: Diese Villa mit all den Playboy-Girls und dem Pool macht mich nicht glücklich was kann ich nur tun? Mehr Songs schreiben und noch mehr Geld verdienen. (Gelächter) Ich mag Robert Smith.

finnbands: Ich bin durch mit meinen Fragen. Möchtet ihr noch etwas..
Henri(unterbricht): Wir könnten noch eine halbe Stunde lang Robert Smith Lobpreisen.
Ville: Kann ich etwas fragen?
finnbands: Klar!
Ville: Hat dir der finnische Sommer gefallen? (Gelächter)
[Anmerkung: In den Wochen zuvor war es regnerisch, kühl und nur wenige sonnige Tage.]
finnbands: Dieses Jahr nicht, aber wir haben das selbe Wetter auch in Deutschland. Da kann man nichts machen.
Henri: Aber wenigstens haben wir hier nicht diese Dinger die wir ‚saksan ampiaset' nennen.
finnbands: Was ist das?
Henri: Deutsche Wespen.
finnbands: Ach du meinst die Großen.
Henri: Ja, die sind so schlimm. Wir mussten sie deutsche Wespen nennen, denn die sind nicht normal. Die sind Böse.
finnbands: Wir nennen die anders. Die heißen Hornissen.
Ville (grinsend): Er liebt Insekten und dieses ganze Viehzeug.
Henri: Ich war vor drei Wochen im Sommerhäuschen meiner Eltern und ich davor schon so oft dort war und es immer Spaß gemacht hat, aber dieses Mal haben diese Hornissen, also nicht die deutsche sondern die finnische Version, einige Nester unter der Tür gebaut. Als wir dann zum Essen draußen gesessen haben, war das für mich die Hölle auf Erden. Ich hab Angst vor den Viechern, ich hasse sie und ich habe eine Allergie. Die Kombination aus allen dreien ist höllisch.
Ville: Ich hoffe du bekommst irgendwas zusammen.
finnbands: Ich hoffe auch. Spezielle wegen diesem Lärm im Hintergund. Vielen Dank für das Interview.



Moonsorrow

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Juni 2007
Interview by Sonia © finnbands.com

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