finnbands: Wie ist es so mit zwei anderen finnischen Bands auf Tour zu sein?
Vreth: Es ist großartig mit finnischen Bands zu touren, seine eigene Sprache sprechen zu können und die gleiche Denkweise zu haben. Nicht jeder versteht uns Finnen und wie wir leben, deswegen ist das toll. Speziell weil wir mit Tarot im selben Bus sind und das sehr gut funktioniert.
finnbands: Für alle diejenigen, die Finntroll nicht kennen: Beschreib die Band doch mal in ein paar Worten, bzw. den Musikstil.
Vreth: Metal Madness.(lacht) Weil es die Kombination von so vielen verschiedenen Stilrichtungen ist. Die Basis ist Metal und der Rest ist irgendwie ziemlich verrückt.
finnbands: Wenn ein neuer Sänger in die Band kommt, reagieren einige Fans oft ziemlich extrem. Welche Reaktionen sowohl - positiv als auch negativ - gab es denn bei dir?
Vreth: Gut, jetzt ist es hauptsächlich positive Kritik, aber letzten Sommer als wir das auf unserer Webseite bekannt gegeben haben, waren alle ein bisschen skeptisch. Nachdem wir einige Festivals absolviert und die Leute mich live auf der Bühne gesehen hatten, wurden die Kritiken besser und besser. Die meisten haben es mittlerweile akzeptiert. Am Anfang gab es einige grundlose und dumme Kommentare, wie "Er sieht gar nicht aus wie ein Troll", aber das war das einzige Schlechte, was ich so gehört hab.
finnbands: Gibt es einen Boss in Finntroll oder seid ihr eine mehr oder weniger demokratische Band?
Vreth: Bei uns herrscht schon Demokratie und jeder kann seine eigenen Sachen beisteuern. Niemand geht hin und sagt 'Nein, so auf gar keinen Fall!'. Das gibt es bei uns nicht. Natürlich, als wir das Album aufgenommen haben, da haben Trollhorn und Tundra die meisten Entscheidungen getroffen. Sie haben das Album ja auch produziert, aber jeder kann seine Ideen einbringen.
finnbands: Wer ist bei euch für das Songwriting verantwortlich? Ist es Trollhorn alleine?
Vreth: Nein, es ist nicht nur er alleine, aber er hat die meisten Songs auf dem Album geschrieben. Ich glaub Tundra hat drei beigesteuert und Routa hat auch ein Stück geschrieben. Eigentlich trägt jeder dazu etwas bei, aber die anderen haben in diesem Fall nichts geschrieben.
finnbands: Ist ein zweites Akustikalbum wie 'Visor ob Slutet' geplant?
Vreth: Im Moment nicht, das war ja nur ein Experiment, aber man weiß nie, was in der Zukunft passiert. Mit dieser Band ist nichts sicher und keiner weiß wie die nächste Platte klingen wird.
finnbands: So und jetzt etwas komplett anderes. Einige historische Fragen.
Denkst du die Zukunft wäre anders, wenn du die Möglichkeit gehabt hättest oder haben würdest, jemandem in der Vergangenheit einen Tipp zu geben?
Vreth: Ich will diese Zukunft nicht sehen. Es kommt drauf an wer. (Lacht) Es kommt drauf an, wer aus der Band das getan hätte. Aber sicherlich, wäre die Welt dann total vermasselt.
finnbands: Stell dir vor du könntest in der Zeit zurückreisen, welche Zeit würdest du wählen bzw. bei welchem historischen Ereignis wärst du gerne dabei gewesen?
Vreth: Ich für meinen Teil würde wirklich gerne mal sehen, wie das im alten Ägypten so war. Wie die Gesellschaft und das alles funktioniert hat. Das wäre wirklich großartig.
finnbands: Was war deiner Meinung nach eine der größten Erfindungen, die je gemacht wurden?
Vreth: Das ist eine verdammt harte Frage, denn alle Erfindungen brachten auch etwas schlechtes mit sich. Ich hoffe ja immer noch, dass die besten Sachen noch kommen werden. Deswegen kann ich dazu nichts weiter sagen.
finnbands: Kein Problem.
finnbands: Was war für dich der bisher schlimmste Moment auf der Bühne mit Finntroll?
Vreth: Das kommt darauf an, wie man Schlimm definiert. Eines der schlechtesten Dinge, die mir bisher passiert sind, war als ich auf einem Festival letzten Sommer meine Stimme verloren hab. Das klang so übel. Weißt du diese Klimaanlagen im Flieger trocknen den Körper so was von aus. Wie gesagt, es ist auf einem der Festivals passiert, ich kann mich nicht mehr erinnern, welches es war (fängt an zu flüstern) Ich konnte einfach die Töne nicht mehr so richtig raus kriegen, das war ein absoluter Albtraum. Ich konnte mich dann auch nicht mehr richtig auf die Show konzentrieren, weil es mich die ganze Zeit abgelenkt hat.
finnbands: Und die besten Live Show bis jetzt?
Vreth: Welche soll ich da jetzt erwähnen, denn es gab viele gute Shows auf den letzten drei Tourneen? Eine meiner Lieblingsshows war natürlich die in Wacken, weil da so verdammt viele Leute waren, weil ich so was vorher so noch nie erlebt hatte und noch alles neu für mich war. Die Show in Hamburg, die wir vor ein paar Tagen gemacht haben, war auch großartig.
finnbands: Wenn du dir eine Band oder einen Künstler aussuchen könntest, mit wem würdest du gerne mal auf Tour gehen?
Vreth: Oh, Mist. (schweigen) Das ist eine verdammt schwierige Frage. Ich hab jetzt keine besondere, große Band mit der ich gerne auf Tour gehen würde. Ich würde mir eine Band wünschen, die eine ähnliche Denkweise wie wir hat und an der Stelle muss ich sagen, dass die Kombination mit Tarot und Finntroll sich wirklich bewährt hat. Das funktioniert super gut mit uns. Eine Band halt, die mit uns die gleiche Einstellung teilt, jetzt nicht von der Musik her, aber so eine Art Seelenverwandtschaft, Leute mit denen man gut auskommt. Anders funktioniert das auch nicht, wenn man sich den Bus teilt.
finnbands: Wenn du an dein erstes Konzert mit Finntroll zurück denkst. Wie war das, als du auf die Bühne kamst? Wie hast du dich gefühlt?
Vreth: Das erste Konzert war ein sehr kleines Konzert in einem winzigen Klub in Helsinki, so eine art Übungskonzert. Es war auch irgendwie niemand da und wir hatten auch nicht bekannt gegeben, dass wir spielen. Das war schon ziemlich seltsam gewesen, aber dann der erste 'richtige' Auftritt als ich auf die Bühne ging und mir plötzlich klar wurde 'Oh Mist, sind das verdammt viele Leute', weil es unser erstes Konzert auf dem RockHard Festival war mit über 10 000 Zuschauern und ich es vorher gewöhnt war, vor ungefähr 300 bis 400 Leuten zu spielen. Das war eine riesige Veränderung.
finnbands: Deine anderen Bands sind alle sehr viel kleiner, stimmt´s?
Vreth: Ja, wir haben noch nicht so viele Auftritte gemacht und ich war auch noch nie außerhalb Finnlands aufgetreten.
finnbands: Eure Lyrics sind allesamt in Schwedisch und ich verstehe kein Schwedisch. Um was geht es in euren Texten?
Vreth: Nun ja, es ist Mythologie, auf der Basis von traditionellen Erzählungen und Legenden, mit vielen Einflüssen aus dem Schamanismus, alte Kindergeschichten kombiniert mit hin und wieder etwas anti-christlichen Dingen, etwas Trinken natürlich und Wahnsinn. Aber die Hauptkomponenten sind traditionelle Erzählung, Legenden, Mythologie und Schamanismus.
finnbands: Wie war die Zeit im Studio mit den anderen Trollen? War es etwas besonderes für dich?
Vreth: Klar, wir hatten eine wunderbare Zeit dort, aber der größte Unterschied war wohl der, dass wir dieses mal drei Wochen zeit hatten für die Aufnahmen und zwei Wochen für den Mix. Normalerweise kenn ich das nur so, dass wir maximal fünf Tage Zeit hatten, um unsere Sachen aufzunehmen und dann etwa drei Tage um den Mix zu machen. Das war regelrecht entspannend und man musste sich nicht die ganze Zeit so stressen. Das war gut für den ganzen Ablauf, wobei wir es am Anfang etwas zu gemütlich haben angehen lassen und uns gegen Ende dann doch richtig beeilen mussten. Es war einfach großartig.
finnbands: Vielen Dank für das Interview!
Finntroll
zu den Bildern
May 2007
Interview by Lepakko © finnbands.com