Finnbands: Einige Leute werden euch in Deutschland noch nicht kennen. Stell doch bitte deine Band in wenigen Worten vor.
Anton: Heutzutage musst du alles beschreiben...Ein Wort für deine Band oder das Genre. Ich glaube wir sind "Dark Pop". Das ist wahrscheinlich das Beste, um unsere Musik zu beschreiben. "Dark Pop" oder "Dark Rock".
Finnbands: Wenn du über den Namen der Band nachdenkst. Glaubst du, dass du mit der Band etwas verfehlt hast, was diesen Namen rechtfertigt?
Anton: Nun, jetzt mehr als sonst *lacht* Hmm, yeah...Es verfolgt mich irgendwie...der Name...er verfolgt mich in meinem Leben, aber das ist der Grund warum ich Songs schreibe...ein Leben voller Schmerz.
Finnbands: Aber glaubst du, dass die Band etwas verfehlt hat?
Anton: Nein, nein eigentlich ist alles gut. Wir sind gewachsen. Die Band arbeitet unter dem Namen 'Feiled' jetzt seit 2000. Das sind also sieben Jahre...also haben wir nichts verfehlt.
Finnbands: Man könnte meinen, dass jeder Mensch in Finnland in einer Band spielt oder Musiker ist. Was waren deine Gründe, in einer Band zu spielen und kannst du dich an deinen ersten Kontakt mit Musik erinnern?
Anton: Mein Dad hat in verschiedenen Bands Schlagzeug gespielt. Ich erinnere mich daran, dass er mir mein erstes Schlagzeug gekauft hat. Drums waren meine erste Liebe! Ich hab damit angefangen, als ich zehn oder elf war. Dasitzen und Schlagzeug spielen und irgendwann habe ich mich genauer damit beschäftigt. Ich habe mich damit befasst, na ja ich befasse mich immer noch damit, aber ich widme mich auch der Gitarre oder dem Piano. Ich spiele verschiedene Instrumente, denn ich möchte ein guter Songschreiber sein. Es spiel keine Rolle - wenn du ein Lied schreibst - wo es her kommt...ob die Melodie auf dem Schlagzeug, der Gitarre oder dem Piano entstanden ist. Ich benutze unterschiedliche Wege, aber ich habe mit dem Schlagzeug angefangen.
Finnbands: Ich weiß, dass du früher Drummer bei L-60 warst.
Anton: Ja.
Finnbands: Wie kam es denn dazu, dass du heute singst?
Anton: Na ja, es war eine Art...ich habe einige Veränderungen in meinem Leben mitgemacht. Diese Art der großen Veränderungen, persönlich und in anderen Dingen. Ich wollte irgendwann meine Gefühle und meine Ideen ausdrücken. Ich habe angefangen Songs zu schreiben und kam zu dem Entschluss, dass ich in meiner eigenen Band darüber reden möchte, anstatt immer hinter dem Schlagzeug zu sitzen. Ich mag das...Ich habe einfach aufgehört...Es gibt eine Sängerin - Astrid Swans aus Finnland. Vor zwei Wochen habe ich auf ihrem neuen Album Schlagzeug gespielt. Ich mag einiges von ihnen und sie haben mich gefragt, aber mein Herzblut steckt in Feiled seit den letzten sieben Jahren.
Finnbands: Blicken wir einmal zurück. Euer Debütalbum "Midnight Poems" wurde häufig mit HIM verglichen...musikalisch...
Anton: Werden wir immer noch.
Finnbands:...und von euerem Stil her. Da gab es eine Veränderung und ich war überrascht, als ich "Testify" hörte. Wie kam es, dass ihr euren Sound geändert habt?
Anton: Ich habe immer die Idee geliebt...weißt du...Wir neigen dazu persönlich zu wachsen. Du bist heute nicht die gleiche Person wie du mit fünfzehn warst und du wirst auch nicht dieselbe Person mit fünfunddreißig oder vierzig sein! Es ist also wie...wenn ich ein bestimmtes Gefühl habe, dann schreibe ich einen Song und das ist es dann. Das kommt dann auf das neue Album und als nächstes...Ich glaube "Midnight Poems" war...na ja, ich habe die ersten Demos im Jahre 2000 aufgenommen, das Album erschien aber erst 2005. Da liegen also fünf Jahre dazwischen. Und es hat auch einiges mit dem Druck der Plattenfirma oder der Musikindustrie zu tun. Die haben nach einer Band gesucht, die dieses 'love metal' Klischee erfüllt und wir wollen Rock spielen!
Ich hab nur ein HIM Album zu hause und das ist das Erste. Ich möchte nicht jedes Mal das gleiche Album machen. Also, dass du vorher schon weißt, was dich erwarten wird. Wir gehen zum Beispiel im Januar ins Studio und ich kann euch bereits jetzt sagen, dass dieses Feiled - Ablum komplett anders als "Testify" oder "Midnight Poems" klingen wird!
Finnbands: Wir werden das prüfen!
Anton: Das solltet ihr! Es wird wirklich gut.
Finnbands: Heute wird euer erstes Konzert in Deutschland sein.
Anton:Yeah...
Finnbands: Bist du aufgeregt?
Anton: Ich bin sehr aufgeregt und ein wenig nervös. Aber es ist...Als wir mit dem Flugzeug hier her gekommen sind, meinte ich zu Miika - unser Gitarrist - das dies einer meiner Träume war, als ich mit der Band angefangen habe. Hier her zu kommen und an verschiedenen Orten zu spielen. Und ich fühle das. Das ist auch ein Grund warum es nicht schief gegangen ist. Ich bin hier!
Finnbands: Warst du vorher schon mal in Deutschland?
Anton: Wir haben in der Tschechei getourt. Jetzt werden wir, ich glaube es war Oktober oder März...wir planen nach Lettland, Russland oder Mexico zu gehen. Und nächstes Jahr werden wir unser Album hoffentlich hier veröffentlichen und dann touren.
Finnbands: Was macht dir angst, wenn du auf der Bühne stehst?
Anton: Nun, ich mache mir keine Gedanken über den Sound auf der Bühne oder so was. Mich ängstigt...ich habe diese Krankheit - Epilepsie. Ich habe Angst davor, einen Schub zu bekommen, einen Anfall, wenn ich auf der Bühne stehe und singe. Das macht mir wirklich Angst. Ich war fünf Tage im Krankenhaus, weil ich fünf Anfälle nach einander hatte. Das beeinflusst meine Stimmung. Also wenn ich jetzt auf der Bühne stehe und da sind Fans und so...ich weiß ihr denkt nicht so, aber denkt einmal darüber nach, wie es euch gehen würde, wenn ihr so eine Krankheit hättet. Ihr würdet euch schämen oder so was in der Art, denn ihr könnt euch an nichts erinnern, wenn es passiert ist. Das ist eine Sache und dann, wenn ich nicht in Kontakt mit dem Geist von Jeff Buckley stehe, dann bin ich am Arsch *lacht*
Finnbands: Hast du lustige Bühnengeschichten auf Lager?
Anton: *lacht* Da gibt es einige...das sind viele! Eigentlich, yeah...ehm...das ist an sich kein richtiges Konzert gewesen. Als wir unsere erste Tour in Finnland zu "Testify" geplant haben, haben wir diese große Halle gemietet und haben dort unsere Songs gespielt. Einfach nur, um zu hören wie der Sound klingt und so Dinge. Und Miika *fängt an zu lachen* war noch sturzbetrunken und verkatert - er hatte zuviel getrunken - er hat gespielt und ist auf einmal von der Bühne gefallen und sein Bein war komplett gebrochen *lacht* Und am nächsten Tag hatten wir unser erstes Konzert! Es war lustig *lacht* Die Ärzte haben den Knochen, der das Bein gerade macht, von hier bis...*zeigt nun sein eigenes Bein, um uns zu zeigen was er genau meint* bis hier oben...oder wie man das auch nennt - eingegipst. Na ja, jedenfalls haben seine Schuhe nicht mehr gepasst und er musste einige verschiedene Experimente mit seinem Schuh anstellen. Das war wirklich lustig.
Finnbands: Mariana, von Feiled - Mexico hat uns gefragt, ob wir euch eine Frage stellen können...
Anton: Yeah...
Finnbands: Sie fragt: Ich weiß, dass Feiled Songs auf persönlichen Erfahrungen beruhen, aber im gleichen Augenblick denke ich mir, das sie so etwas wie Seelenfrieden herstellen. Gibt es einen bestimmten Song, der besonders hart ist, live zu spielen?
Anton: Ja, da gibt es eigentlich viele. Einer ist "Great Escape" von "Midnight Poems". Ich habe das Lied für einen guten Freund geschrieben, der sich selbst umgebracht hat. Es war eine Drogenüberdosis... Also, das ist schon ziemlich hart, denn du wirst immer daran erinnert. Und dann ist da noch ein neues Lied. Das hat bisher noch keinen Titel, weil ich nicht weiß, wie ich den Song beschreiben soll. Ihr habt diese Art Ballade vorhin bereits gehört. Das Lied handelt davon, wie es mir geht, wenn ich diese epileptischen Anfälle habe. Über die Depressionen danach, wenn dein Gehirn aufhört zu arbeiten und du aufhörst etwas zu fühlen. Es ist egal, ich könnte aus dem Fenster auf die Straße springen, egal...Und das gruselt mich, denn ich bin an sich keine Person, die Selbstmord begehen würde. Und dann bist du da drin und kommst da nicht wieder heraus. Du bist da und versuchst nur zu denken "denk positiv, denk positiv", aber nichts passiert. Diese Songs...ich versuche dem Publikum das zu beschreiben...
Finnbands: Wie sieht es mit Zukunftsplänen aus? Was macht ihr im Augenblick?
Anton: Oh, das sagte ich schon. Wir bereiten uns auf die Albumveröffentlichung vor...was noch...Konzerte! Viele, viele, viele Konzerte!
Finnbands: Versuche bitte einmal, deine Bandkollegen mit einem Wort zu beschreiben!
Anton: Das habe ich schon einmal in einem Interview gemacht. Haben wir früher schon mal ein Interview gemacht?
Finnbands: Nein!
Anton: Oh, okay. Okay, ich werd es versuchen. Nun, Janne ist der "Rock-Zwerg" - der Schlagzeuger. Ich finde er sieht aus wie ein Zwerg. Habt ihr "Herr der Ringe" gesehen?
Finnbands: Ja.
Anton: Gut, da gibt es doch diese kleinen Menschen, die Hobbits! So ist er, wie ein Hobbit. Das ist gut. Er ist ein Hobbit! Und Jacob...ehm *denkt nach* es gibt so viele Wörter, die ich benutzen könnte. Ich sage mal, künstlerisch! Er könnte eben so gut ein Maler oder Autor sein. Er ist künstlerisch. Manchmal lebt er in seiner eigenen Welt. Das läuft dann immer so "komm schon, wie müssen spielen!" und er geht nicht...und Miika *lacht* ehm...kontrovers. Das ist ein gutes Wort.
Finnbands: Und du?
Anton: Melancholisch.
Finnbands: Wenn du wüsstest, dass morgen das Ende der Welt bevor steht, was würdest du machen?
Anton: Ich würde mein Bestes versuchen. Wahrscheinlich würde ich meine Bandkollegen und einige meiner Freunde in einen Raum stecken und alle Instrumente, die wir spielen und dann würden wir ein bisschen jammen und einfach eine tolle Zeit haben. Was könnten wir sonst machen? Das ist eine Sache.
Wenn du eine Krankheit oder ein Leiden hast, dann beginnst du dir über solche Sachen Gedanken zu machen. Vielleicht kann ich nach dem nächsten Anfall, nach der nächsten Attacke nicht mehr laufen...Für mich würde die Welt zusammen brechen, wenn ich keine Musik mehr schreiben könnte...ansonsten ist alles gut.
Finnbands: Zum Abschluss wollen wir noch ein kleines Spiel spielen: deine finnische Superband - du kannst aus allen Musikern Finnlands eine Band auswählen. Wen würdest du nehmen?
Anton: Es gibt da eine. Sie spielen heute Nacht - Von Hertzen Brothers. Das ist es. Ich liebe sie. Ich bin ein Hippie.
zu den Bildern
www.feiled.com
19.09.2007
Interview by Niina, Puschel, Anna © finnbands.com