Email Interview mit Day Eleven


Day Eleven

finnbands: Stellt euch und eure Band doch bitte kurz vor. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Matti: Als absolut großartig.
Kimmo: Wir klingen nach hartem Grungerock, der mit Punk und der dunkleren Seite des Pop flirtet. Im Alter von 20 Jahren hörten wir auf erwachsen zu werden, ich denke also, dass es unsere Pflicht ist, weiterhin Musik zu machen und Spaß an unserem Leben zu haben.
Janne: Wir sind sehr aufgeschlossene Typen und lassen uns von vielen unterschiedlichen Dingen inspirieren, aber ich denke, unsere Musik ist eine Kombination aus unendlicher Ambition und beschränkten Fähigkeiten... Musikalisch wurden wir in den frühen 90ern geboren, G ´n R, Metallica und Nirvana werden also immer einen großen Einfluss darauf haben, wie wir am Ende klingen, egal wie stark wir dagegen ankämpfen.

finnbands: Wo und wie habt ihr euch kennen gelernt?
Janne: Im Grunde kennen wir uns schon unser ganzes Leben lang. Ich traf Kimmo als ich 4 Jahre alt war, Olli noch unter dem Alter von 10 und die anderen Jungs vor mehr als zehn Jahren. Man könnte also fast sagen, dass wir uns zu gut kennen... Das kann zu interessanten Situationen führen, wir kämpfen wie Brüder, aber lieben uns auch wie Brüder... Es ist nicht ungewöhnlich für beste Freunde wie uns, als Teenager eine Band zu gründen. Aber ich denke, dass es eine Art Wunder ist, dass keiner von uns im Laufe der Jahre auf der Strecke geblieben ist. Uns vereint noch immer der gleiche Traum, wir lieben es, zusammen abzuhängen und Blödsinn zu machen.
Kimmo: Janne und ich trafen uns im musikalischen Kindergarten als wir 4 Jahre alt waren und ich lernte Olli kennen, als wir zu Schulbeginn in dieselbe Klasse kamen. Damals waren wir 7 Jahre alt. Luca und Matti lernten wir etwas später zu Teenager-Zeiten kennen, aber ja, wir kennen einander schon seit SEHR langer Zeit.

finnbands: Auch wenn ihr diese Frage wahrscheinlich jedes Mal gestellt bekommt, aber bitte erzählt uns mehr über die Bedeutung eures Bandnamens. Ich habe etwas über die elfte Stunde gelesen und dass man die Gunst der Stunde nutzen soll. Könnt ihr vielleicht erklären, was genau das in Kombination mit der Band und eurer Musik zu bedeuten hat?
Kimmo:Unser Bandname besteht einfach nur aus zwei Wörtern, die gut zusammen klingen… Dahinter gibt es keinen speziellen Symbolismus. Es kann bedeuten, was immer du willst, dass es bedeutet. Ich denke die lyrischen Themen in unseren Songs berühren Dinge wie die elfte Stunde oberflächlich. Wie wichtig es ist, dass du dich selbst jeden Tag den du lebst, wach rüttelst und das Beste aus ihm machst.

finnbands: Seid ihr Vollzeit-Musiker oder habt ihr einen regulären Job neben der Musik?
Kimmo: Haha, ich arbeite bei unserem Plattenlabel Gbfam Records und steckte somit wirklich tief in diesen musikalischen Dingen. Die meiste Zeit ist es cool, aber manchmal habe ich auch diese Tage, an denen ich etwas komplett anderes machen möchte. Trotzdem bin ich mit meinem Leben so zufrieden, wie es ist und ich mag es, im Musikgeschäft tätig zu sein. Ich mag die Leute, die ich treffe.
Janne: Wir sind noch keine Vollzeitmusiker und im Moment arbeite ich für die Plattenfirma, wie Kimmo. Ich kann mich also glücklich schätzen, dass ich mich mit Dingen beschäftigen kann, die musikbezogen sind, denn alles andere liegt mir nicht wirklich. Außer vielleicht trinken und schlafen.
Olli: Seit kurzem versuche ich zu Studieren, aber die Musik wir immer zeitintensiver.
Matti: Ich arbeite in einem Aufnahmestudio und muss Musiker somit beinahe täglich ertragen.

finnbands: Bald werdet ihr euer Album “Sleepwalkers” veröffentlichen. Was können die Leute von eurer zweiten Platte erwarten?
Janne: Es ist ein härteres Album. Es gibt mehr Metal- und Punk-Einflüsse, meiner Meinung nach besseres Songwriting, mehr Spaß und „it kicks fucking ass“. Unser Debütalbum „Alomst over everything“ hingegen war ein launisches Stück Soft Rock mit keiner wirklichen Richtung oder Fokussierung, auch wenn wir ein paar gute Songs hatten. Wir sind auf eine Art zwar noch immer dieselbe Grungerockband, aber ich denke, wir haben ein paar neue Tricks gelernt und auch an Steife verloren. Wir haben gelernt, uns nicht die ganze Zeit Sorgen zu machen sondern stattdessen das Beste aus unseren Instrumenten herauszuholen. Und es ist ein Band-Album, während das Debüt einfach nur vier Kerle waren (Olli war damals noch nicht bei uns), die ein Jahr lang in einem Keller genau das gemacht haben, wonach sie sich an diesem speziellen Tag eben fühlten. Die neuen Songs sind so viel leichter live zu spielen, dass es sich auch auf der Bühne für uns wie ein neuer Anfang anfühlt.
Kimmo: Es ist ehrlich und hat auch Qualität. Wir werden besser darin, unsere Songs nicht so vorhersehbar und gewöhnlich klingen zu lassen und dennoch kann man sich relativ leicht in sie hineinhören.

finnbands: In Bezug auf euer neues Album: Würdet ihr sagen, dass all eure Songs ein ähnliches Thema behandeln, sich also ein roter Faden durch eure Songs zieht oder ist euer lyrisches Spektrum eher breit gefächert und abwechslungsreich?
Janne: Ein großer Teil des Album behandelt das Aufwachen in der Realität und den Wunsch nach Veränderung. Es scheint so, als gingen viele Menschen mit geschlossenen Augen durch ihr Leben (Sleepwalking...), dem ausgeliefert, wie auch immer sie es nennen, sei es „Schicksal“ oder „Glaube“, was letztlich dazu führt, dass die Menschen keine Verantwortung mehr für ihr Handeln übernehmen...auch nicht für ihr eigenes Glück, selbst wenn sie es könnten. Alles Unvorhergesehene in ihrem Leben ist die Schuld eines anderen oder sie entscheiden sich dazu, alles Schlechte, was sie getan haben, zu leugnen. Ich bin kein verdammter Prediger und will es auch nicht sein, diese Songs sind also eine Art Aufruf dazu, dass man für sich selbst denken soll. Aufwachen und den Kaffee riechen, mit den Gewohnheiten brechen, sich aus seiner Form befreien. Sieh in den Spiegel und sei ehrlich zu dir selbst. Wir haben ein Lied, das dieses Thema ziemlich gut zusammenfasst, aber leider war die Musik nicht so gut wie der Text. Es wird also noch ein bisschen dauern, bis man es zu hören bekommt...das ist allerdings kein Versprechen. Der Song „Dissonance Fading” ist in diesem Zusammenhang auch ziemlich wichtig. Und ich möchte auch hinzufügen, dass diese Songs keine Anleitung für ein gutes Leben sind, es sind lediglich Geschichten von bestimmten Momenten des Aufwachens...oder Einschlafens. Nicht alle von ihnen enden gut. Wir haben nicht versucht ein Album zu einem bestimmten Thema zu schreiben und nicht alle Songs beinhalten das gleiche Motiv. Es ist einfach so, dass wenn du zu einer bestimmten Zeit in deinem Leben den Stift auf´s Papier setzt, bestimmte Themen immer wieder auftauchen und du merkst es erst im Nachhinein. Ich würde gern mehr „bubblegum bullshit“ schreiben, aber das ist nicht so leicht…

finnbands: Die Aufnahmen zu eurem zweiten Album liegen noch gar nicht so weit zurück. Könnt ihr uns mehr über die Zeit im Studio verraten? Gibt es irgendwelche sonderbaren Vorfälle oder lustige Anekdoten zu erzählen?
Kimmo: Olli war kurz davor seinen Verstand zu verlieren bei den Gitarren Sessions in Imatra und all das nur, weil wir offenbar nicht genug sauber gemacht hatten oder wegen ähnlichem Mist. Und er warf einige Pedale durch die Gegend nach ein paar Problemen beim Stimmen der Gitarre... Und ich kann im Studio ein ziemlicher Jammerlappen sein, aber dieses Mal hatten wir die Produzenten, die mich in die Schranken gewiesen haben, wenn ich meine Parts nicht gemacht hab. Ich hab mir also ein paar Bier eingeholfen und die anderen ihre Sachen machen lassen...und das Resultat ist großartig.
Janne: Wir haben alle 20 Sekunden “VITTU!!!” geschrieen. Luca hat die meiste Zeit geschlafen und Olli war immer entweder betrunken oder hatte einen Kater. Unser lieber Produzent Jens war die Stimme der Vernunft, wir konnten uns also zurück lehnen, wann immer wir wollten und uns hauptsachlich darauf konzentrieren, eine gute Zeit beim Gitarrespielen zu haben, Bier zu trinken und die schlechtesten Witze überhaupt zu reißen. Da wir die Songs zuvor sehr gut geübt hatten, war der Aspekt des Haare Raufens und der Nervenzusammenbrüche minimal im Vergleich zu den Aufnahmen zum ersten Album. Zudem mochten wir die Stadt Örebro in Schweden sehr gern.
Olli: Es war einfach eine gute Zeit, die man mit seinen Freunden hat. Die einzigen weniger guten Tage waren die, an denen wir ohne einen Produzent in Tampere aufgenommen haben. Da wurde die ganze Zeit nur diskutiert und „VITTU!“ gebrüllt.
Matti: Einer der sonderbarsten Momente während des ganzen Prozesses war auf der Fähre, als wir für die Aufnahmen der Drums nach Schweden gefahren sind. Wir hatten auf der Fähre ein bisschen getrunken und irgendwie vergessen am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Als wir zu unserem Auto kamen, waren einige Typen der Fährfirma gerade dabei, Luca´s Auto mit einem Gabelstapler von der Fähre zu schleppen. Er hatte die Handbremse angezogen und alles. Irgendwie fanden Olli und ich uns hinter einem Stacheldrahtzaun wieder, über den wir letztendlich rüber nach Schweden geklettert sind ohne unsere Pässe zu zeigen.
Olli: Ein paar Stunden später standen wir dann mit einer Flasche Jägermeister in der Hand in einem wunderschönen Park mitten in Stockholm und fühlten uns wie Nasty Suicide von Hanoi Rocks 1983.

finnbands: Wird euer Album auch in Deutschland erscheinen oder ist neben einer Veröffentlichung in Finnland vorerst nichts geplant?
Kimmo: Zu diesem Zeitpunkt gibt es dazu noch keine genaueren Pläne neben der Veröffentlichung in Finnland, aber ich bin davon überzeugt, dass diese Platte auch in anderen Ländern erscheinen wird. Vielleicht sogar auf dem Mond.
Janne: Ja, wir planen eine offizielle Veröffentlichung in anderen europäischen Länderm, aber das braucht ein wenig Zeit. Wir haben gute Leute, die daran arbeiten und die Menschen scheinen auf unser Album ziemlich gut zu reagieren. Die Dinge sehen also gut aus und ich würde sagen, vielleicht im Laufe des Jahres.

finnbands: Kommen wir zu den Rollen in der Band: Wer ist verantwortlich für das Songwriting? Gibt es jemanden, der immer wieder den gleichen Job im Entstehungsprozess eines Songs einnimmt?
Kimmo: Das großartige an unserer Band ist, dass wir alle am Songwriting teilhaben, aber wir sind keine lahme Demokratie. Wir nehmen uns wirklich die Zeit herauszufinden, welche Ideen die besten sind. Es gibt eine Rolle, die wir alle gerne übernehmen: das jammernde Arschloch. Das ist etwas wozu wir an bestimmten Punkten alle neigen. Eine gute Sache ist, dass nicht alle von uns immer schlechte Laune haben. Derjenige mit dem meisten Enthusiasmus führt die anderen.
Matti: Satan schreibt unsere Musik.

finnbands: Gibt es schon irgendwelche Pläne für eine Tour? Vielleicht sogar Konzerte in anderen Ländern? Deutschland? Seid ihr je hier gewesen?
Kimmo: Natürlich machen wir eine Tour in Finnland nach der Veröffentlichung des Albums im März und danach hoffentlich ein paar Gigs auf Festivals hier und da… Danach gehen wir dahin, wohin uns der Wind trägt, hoffentlich auch nach Deutschland.

finnbands: Wie sieht ein normaler Tag auf Tour aus? Liegen alle faul im Bus rum, bis das Konzert beginnt und feiern danach bis in die frühen Morgenstunden?
Janne: Wir waren bisher noch nie wirklich lange auf Tour und sind jedes Mal noch sehr aufgeregt und gespannt, wenn es wieder auf die Strasse geht. Wir lieben es zu feiern, wann immer wir können. Alles in allem ist es ein großer Spaß.
Kimmo: Es passiert sehr selten, dass wir nach einem Konzert nicht betrunken sind. Matti mag es im Bus diese stundenlangen Monologe über Politik zu halten, wenn er einen Kater hat. Olli bringt uns Schokoladenkuchen und solches Zeug und Janne ist meistens der erste, der mit dem Trinken anfängt. Luca und ich versuchen immer nur den Zirkus zusammen zu halten.

finnbands: Was ist das größte Vorurteil über Musiker? Sind aus eurer eigenen Erfahrung diese Vorurteile ehr wahr oder falsch?
Olli: Sie führen alle nur ein lockeres Leben und betrinken sich. Ziemlich viel davon ist wahr, aber Musiker zu sein, ist auch viel harte Arbeit. Es ist nicht nur: „Ooh, heute werde ich ein großer Musiker sein.“ Oder vielleicht doch? Ich weiß es nicht...was auch immer, lass uns ein Bier trinken.
Matti: Die Leute glauben, dass die meisten Musiker drogenabhängige Freidenker sind. Die Wahrheit ist aber, dass nur einige so sind, was ziemlich langweilig ist. Bringt die Sixties zurück!

finnbands: Wo seht ihr den Sinn im Dasein eines Musikers? Liegt er in vielen Plattenverkäufen und Preisen oder seid ihr ehr der Meinung, dass Erfolg nicht alles ist und lediglich ein Leben für die Musik zählt?
Olli: Definitiv ein Leben für die Musik. Wenn du es schaffst, mit der Musik auch noch ein bisschen Einkommen zu haben, dann ist das umso besser. Aber selbstverständlich warten wir alle auf großartige Plattenverkäufe und enormes Touren.
Matti: Musik = Leben. Ein guter Song ist bereits eine Belohnung und wenn du es auch noch schaffst, jemanden damit zu berühren oder ihn für einen Moment innehalten zu lassen, dann ist es umso besser. Wie Kimmo einst sagte: „Wenn du Geld machen willst, dann geh zur Berufsschule.“
finnbands: Im Moment gibt es einen großen Hype um die finnische Musikindustrie. Habt ihr dafür irgendwelche Erklärungen?
Olli: Ich mache gerade eine Untersuchung über die finnische Musikexportpolitik und das ganze Phänomen (wegen meines Abschlusses an der Universität – „motherfuckin' rocker would like to be a Bachelor of Arts“). Jedenfalls würde ich sagen, dass dieser Hype um die finnische Musik viel mit Export und Management zu tun hat. Ich denke, dass es Finnland vor noch über zehn Jahren an Leuten mit den Fähigkeiten oder mit genug Mut, um finnische Acts zu 100% zu fördern, gefehlt hat. Oder die Finnen machen im Moment einfach außergewöhnlich gute Musik. Es wird wohl ein Mix aus dem Export finnischer Acts und dem Fakt sein, dass die Leute auf der ganzen Welt es einfach nur mögen, gute (finnische) Rockmusik zu genießen.

finnbands: Wie sehen die Zukunftspläne von Day Eleven aus? Gibt es schon irgendetwas, wovon ihr uns berichten könntet?
Kimmo: Hmm... man kann spezielle Sachen nicht planen, die passieren einfach. Im Moment sieht die Zukunft rosig aus.

finnbands: Die letzten Worte gehören euch. Nun könnte ihr alles los werden, was ihr wollt.
Kimmo: Laavu pystyyn.
Janne: Hört euch unsere neue Musik unter myspace.com/dayeleven an, seht danach euren Tag als gerettet an, geht raus und kauft einige Exemplare all unserer Platten. Davon abgesehen, habe ich nichts weiter zu sagen, als dass Izzy Stradlin` der Typ mit dem coolsten Look überhaupt ist.


day-eleven.com




Februar 2007
Interview by Anna © finnbands.com

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