Impressionen des Chaos? -
Day Eleven touren in Deutschland


Eure erste Tour in Deutschland ist nun vorbei. Wir wollen zurück blicken und die brillanten Momente sowie die, der totalen Ernüchterung und Verwirrung (wenn es diese denn gab) reflektieren.

finnbands: Wie kam es dazu, dass ihr als deutscher Support für Negative ausgesucht wurdet? Ihr lebt in der gleichen Stadt, habt die gleiche Plattenfirma in Finnland und kennt euch daher sicher schon geraume Zeit. Aber ist das wirklich alles oder gibt es mehr zu erzählen?
Janne: Wir lieben uns.

finnbands: Welche Erwartungen hattet ihr, bevor die Tour begann? Hattet ihr eine bestimmte Vorstellung vom deutschen Publikum?
Kimmo: Nun... Negative haben viele weibliche Fans, also habe ich wohl ein Publikum erwartet, dass hauptsächlich aus Frauen besteht, was sich ja dann auch als wahr erwies. Außerdem habe ich ein paar Momente darüber nachgedacht, wie wir uns wohl nach der Tour fühlen werden, da wir gern trinken, wenn wir unterwegs sind, hehe.

finnbands: Und wurdet ihr in euren Erwartungen enttäuscht? Würdet ihr euch im Nachhinein über irgendetwas beklagen - gibt es etwas, dass ihr beim nächsten Mal anders machen würdet?
Kimmo: Es gibt keine Beschwerden, wirklich. Es war verdammt cool und ich bin zu dankbar für die Möglichkeit, um mich jetzt über geringfügigen Bullshit hier und da zu beschweren. Hoffentlich können wir uns auf ein höheres Level hocharbeiten und eigene Shows als Headliner spielen; die Drums auf einem Podest, große Beleuchtung und 3000 Bier Backstage.


finnbands: Jann Wilde & Rose Avenue waren auf der letzten Negative-Tour in Deutschland die Vorband. Wie ist es für euch, mit einer Band verglichen zu werden, deren Musik sich so stark von eurer unterscheidet?
Kimmo: Warum nicht, zumindest gibt es Unterschiede, über die man reden kann. Wir haben nicht genug Federn und Make Up und solchen Mist, und sie rocken nicht genug, ahhahaa.

finnbands: Wir haben Bilder von euch gesehen, auf denen ihr in einem ziemlich bunten Hostel (Herberge) mit viel Pink und einer Menge sonderbarer Dinge geschlafen habt. Es sah dort irgendwie psychedelisch aus... Wart ihr euch darüber zuvor im Klaren oder habt ihr eure Hostel zufällig ausgesucht?
Kimmo: Umm... wir suchten die Hostel willkürlich, manchmal auch zu sehr, aber am Ende funktionierte alles ganz gut.
Janne: Es war dort ziemlich cool, eine richtige Hippie-Bude für Reisende in Dresden…die anderen Orte waren langweiliger.


finnbands: Das Wetter war großartig, als ihr hier wart (und seit ihr weg seid, ist es wieder schlecht). Hattet ihr euch auf diesen späten Sommer vorbereiten können oder hat jemand einen Sonnenbrand bekommen?
Kimmo: Ich glaube, ich habe in Karlsruhe ein paar Strahlen abbekommen. Es war ein schöner Tag und ich schlief im Park in der Mitte der Stadt ein.

finnbands: In eurem Tourtagebuch haben wir gesehen, dass ihr selbst in einem Van gefahren seid (welcher nicht Lisko war - wo war Lisko und warum musste sie zu Hause bleiben?), während Negative in einem luxoriösen Nightliner reisten. Somit musste immer einer von euch nüchtern bleiben, um sich um den Rest zu kümmern und alle heil in die nächste Stadt zu bringen. Wie wurde entschieden, wer der Verantwortliche für die Nacht war?
Kimmo: Wir lösten dieses Problem, indem wir unseren guten Freund Simo Siementäjä (Drummer bei The Bitterlicks) anheuerten, um den Van zu fahren. Ansonsten wäre die Tour selbstverständlich nicht möglich gewesen. Wir konnten nicht genug Panzertape finden, um Lisko zusammen zu kleben, also musste sie zu Hause bleiben. Und noch einmal herzlichsten Dank an Simo dafür, dass er uns 5 betrunkene Idioten durch Deutschland gefahren hat!

finnbands: Männer fragen nicht nach dem richtigen Weg. Wie viele Male seid ihr also in die falsche Richtung gefahren?
Janne: Nun, die Lady des Navigationssystems sagte uns, wo wir lang mussten. Sie ist sehr vertrauenswürdig, obwohl wir in Karlsruhe ein Mal verloren gegangen sind...ich weiß nicht, was da in sie gefahren ist.


finnbands: Ein paar finnische Musiker, die in Deutschland auf sich allein gestellt sind…nehmt das nicht persönlich, aber da klingt das Chaos vorprogrammiert. Hattet ihr organisationstechnisch irgendwelche Schwierigkeiten oder lief alles wie geplant und ohne größere Probleme?
Janne: Wir sind sehr verlässliche Typen. Von einem Ort zum anderen zu kommen, ist kein Problem…die Organisation der Tour war sehr professionell, also brauchten wir nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und das Essen stand auf dem Tisch…die größten Probleme brachten wahrscheinlich die wenigen Momente mit sich, in denen unsere Zigaretten knapp wurden.

finnbands: Nun wollen wir die lustigen und peinlichen Hintergrundgeschichten wissen, die besser ein Geheimnis bleiben und niemals wieder ans Tageslicht kommen sollten. Ihr habt etwas über Olli als Frau verkleidet geschrieben und Luca, der in der Badewanne ohnmächtig wurde? Gibt es noch andere verrückte Vorkommnisse, über die ihre reden wollt?
Janne: Das ist nur unser normales Partyverhalten. Wir haben unser Herz bereits in unseren Myspace Blogs ausgeschüttet und ich denke, viel weiter wollen wir auch nicht gehen. Scheiße passiert immer, aber man kann sagen, dass wir die meisten Fettnäpfchen auf dieser Tour umgehen konnten.

finnbands: Wenn wir uns nicht irren, dann war dies eure bisher längste Tour. Wie war es für euch, länger als eine Woche am Stück auf der Strasse unterwegs zu sein? Die Jungs von Negative schienen gemischte Gefühle zu haben, als wir sie zum Ende der Tour befragten. Wie sieht es mit euch aus - seid ihr traurig, dass die Tour nun vorüber ist?
Kimmo: Es war einfach nur großartig. Es fühlt sich so gut an, komplett aus seinem normalen Leben herausgenommen zu sein und sich nur auf die Musik zu konzentrieren und darauf, Spaß zu haben.


finnbands: Wann kommt ihr zurück nach Deutschland? Vielleicht sogar als Headliner? Und wer sollte dann euer Support sein?
Janne: Wir würden gerne wieder einige unserer Freunde aus den großartigen lokalen Bands aus Tampere mitnehmen, sollten wir irgendwann als Headliner in Deutschland spielen... Aber ich denke, wir werden noch wenigstens eine Tour als Support spielen, bevor wir für eine eigene Tour bereit sind.

finnbands: Euer Album "Sleepwalkers" wurde nun auch in Deutschland veröffentlicht. Wie waren die bisherigen Reaktionen?
Janne: Die Reviews waren im Großen und Ganzen ziemlich gut. Und die Tour war ein Erfolg, also warten wir ab, was als nächstes passiert.

finnbands: Nun kommt noch etwas Leichtes zur Tour, um das Thema abzuschließen:
- beste Halle / Club?
Janne: die Zeche in Bochum war der coolste Club.
- coolstes Publikum?
Janne: Glauchau, weil sie so laut und verrückt waren… vielleicht war das eine Art Saturday Night Fever.
- beste Stadt / beste Sehenswürdigkeit?
Janne: Berlin, mit zwei total besoffenen, schwulen Junkies, die mittags Oralsex im Park in der Innenstadt hatten. Das war sehr exotisch.
- schlimmste "Das wollte ich nie erleben müssen" - Erfahrung?
Janne: Es wäre zu einfach, die Entdeckung des zuvor erwähnten, wilden Pärchens zu nennen…also tue ich das nicht. Es sind keine schlimmen, mentalen Narben von dem Trip zurück geblieben, zumindest nicht bei mir.


finnbands: Nun wollen wir weiter in der Zeit zurückgehen und über das diesjährige Tammerfest sprechen. Wir haben einige Teile eures Auftritts aus bisher ungeklärten Gründen und einem spontanen Gedächtnisverlust verpasst…zumindest wissen wir noch, dass es ein großartiger Tag war…wenn man heute mit etwas Abstand zurück blickt. Wir sind der Meinung, dass euer Auftritt zu früh am Tag war (und dieser Fakt macht unseren Gedächtnisverlust noch gruseliger). Spielt ihr im nächsten Jahr vielleicht etwas später und als einer der größeren Hauptacts?
Janne: Wenn die Arschlöcher uns da wollen, sicher. Aber die diesjährige Bühne war beschissen.

finnbands: Es scheint so, als hätten sich viele Bands kurz nach dem Tammerfest getrennt (z.B. Bloodpit, Jann Wilde & Rose Avenue (die sich jetzt in Teilen wiedervereint haben) und es gab Trennungsgerüchte über The Bitterlicks). Liegt ein Fluch über dem Tammerfest oder was waren mögliche Gründe? Könnt ihr, als Insider aus Tampere, uns Informationen liefern? Und Niina möchte wissen, ob ihr eure Trennung für das nächste Tammerfest plant? ;)
Janne: Ich denke nicht, dass wir uns in nächster Zeit trennen werden, obwohl wir uns regelmäßig abgrundtief hassen. Es ist die Kraft einer langen gemeinsamen Reise, die uns zusammen hält. All die Jahre harter Arbeit, die wir investiert und nicht umsonst aufgebracht haben wollen, was ja der Fall wäre, wenn die Band zerfällt, wegen einem dummen Streit und solchen Dingen. Aber selbstverständlich ändern sich die Dinge und auch die Leute, also wer zur Hölle weiß das schon. Wir machen keine Versprechen, außer dass wir versuchen werden, uns weiterhin auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren…und ich denke, dass wir ziemlich bodenständige Typen sind, wenn es um so etwas geht. Zu den anderen Bands, die du genannt hast: Ich denke, sie hatten ihre persönlichen Gründe, einige Gute und andere weniger Gute. Der einzige Fluch des Tammerfests, den ich kenne, ist der unvermeidbare, drei Tage andauernde Kater, den du bekommst, wenn du da warst.


finnbands: Euer Video zu "Whenever you say you love me" sieht ein bisschen wie ein selbstgemachtes Heimvideo aus, was ziemlich cool ist. Wer von euch hatte die Idee dazu?
Janne: Die Idee kam vom Regisseur. Wir hatten auch einige Drehbücher von anderen Leuten, die im Grunde der gleiche altbekannte Mist waren, den du in jedem anderen Low Budget Video siehst. Ein Typ / Mädchen geht auf der Straße entlang, die Blätter fallen, der Hauptcharakter - ein Typ / Mädchen - taucht auf, ihre Augen treffen sich, sie verabreden sich oder auch nicht, die Band spielt, die Blätter fallen in Slow Motion…weißt du, Klischee-Mist. Wir wurden immer verzweifelter bis Ari & Sasu, der Regisseur beziehungsweise der Cutter, auf uns zu kamen und meinten: wisst ihr was, wie wäre es, wenn wir es grob machen, wenn wir ein richtiges Fuck-You Video drehen…und das war´s. Es ist dumm und sonderbar, aber genauso mögen wir es.

finnbands: Und die letzte Frage: Wird es in der nächsten Zeit eine zweite Singleveröffentlichung aus "Sleepwalkers" geben?
Janne: Im Moment, denke ich das nicht. Der Singlemarkt in Finnland ist ziemlich tot heutzutage, die Läden unterstützen dieses Format nicht, also verkaufen sie es nicht und umgekehrt. Wenn überhaupt, dann eine Promo- oder Radio-Single. Wenn das deutsche Label gewillt ist, eine zu veröffentlichen, dann sind wir froh, aber eigentlich kümmern wir uns nicht wirklich um Singles. Das Beste ist sowieso auf dem Album, also holt euch das!

finnbands: Danke für eure Aufmerksamkeit und dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt, all diese Fragen zu beantworten.
Janne: Tack så mycket.


zu den Bildern


dayeleven.com



08.10.2007
Interview by anna & niina © finnbands.com

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