HIM - Venus Doom

Sire Records / Warner Music
14. September 2007


1. Venus Doom
2. Love in cold blood
3. Passionīs killing floor
4. The kiss of dawn
5. Sleepwalking past hope
6. Dead loverīs lane
7. Song or suicide
8. Bleed well
9. Cyanide sun

Kaum ein Album der teuflisch-majestätischen Finnen wurde bisher mit solch gemischten Gefühlen erwartet wie Venus Doom - während eingefleischte Fans vom Erfolg überzeugt sind, stehen Kritiker der Band dem Ganzen ehr skeptisch gegenüber.
Nicht viel anders erging es auch mir, verspreche ich mir doch seit Dark Light nicht mehr allzu viel von der Band und ihrer musikalischen Entwicklung. Dem soll das siebte Studioalbum der fünf Nordlichter laut Pressetexten jedoch Abbruch schaffen, wird Venus Doom doch als "kompromisslos rockig, wie man HIM bisher selten erleben konnte" beschrieben. Das lässt hoffen und vielleicht gewinnt die Band mit diesem Silberling auch wieder ein paar Fans der härteren HIM-Stücke für sich zurück.

Ein Streichholz wird angerissen, es folgt ein tiefer Atemzug - die obligatorische Zigarette, ohne die man sich Sänger Ville Valo gar nicht vorstellen kann, ist entzündet und das Album kann beginnen.
Der erste Track des Albums, welcher selbigem auch als Namensgeber dient, wird von kräftigen Gitarrenriffs und Drums eingeleitet, die genauso plötzlich, wie sie einsetzten auch wieder verstummen, um kurzzeitig dem Gesang, welcher bloß leise vom Keyboard begleitet wird, Platz zu machen. Nach einer kurzen Steigerung im Liedaufbau gipfelt der Song im ersten Refrain. Ab dem zweiten Refrain beginnt der Track gerade ein wenig an Spannung zu verlieren, da folgt ein unerwarteter Umbruch durch ein Gitarrensolo und eine leise Keyboardmelodie im Anschluss. Der düstere Gesang von Frontmann Ville setzt wieder ein, folgt jetzt jedoch einer komplett anderen Melodie und erweckt somit für einen kurzen Moment das Gefühl, als befinde man sich bereits im nächsten Lied. Dies ist jedoch nicht der Fall, findet der Track doch in der erneuten Wiederholung des bereits bekannten Refrains und der Instrumental-Kombination Gitarre/Drums seinen Abschluss und beschließt somit den Kreis, der das Lied zu etwas Eigenständigem macht.
Sphärische Klänge und Gitarrenriffs bilden den Auftakt zum zweiten Song "Love in cold blood". Auch in diesem Lied steht die Arbeit an der Gitarre und die Kunst diese zu spielen im Vordergrund. Bietet es doch gesanglich nicht viel Abwechslungsreichtum, so liefern die düsteren Gitarrensoli diesen umso mehr und manövrieren den Hörer in eine für die Band ungewohnt progressive Richtung.
"Passion`s killing floor" ist nicht nur unter HIM-Fans bereits seit geraumer Zeit bekannt, auch den Kinobesuchern des Films "Transformers" dürfte dieser Song nicht neu sein, ist er doch auf dem Soundtrack zum Film vertreten. Gleicher Liedaufbau wie bei den beiden Vorgängertiteln: Einleitung durch Gitarre und Bass, Wechselspiel von Strophen und Refrain gefolgt von einem melodisch abweichendem Instrumentalpart begleitet von Glockenläuten bevor wieder in die gewohnte Melodieführung zurück und somit zum finalen Refrain gefunden wird. Dieser Song klingt nach HIM, das lässt sich nicht leugnen, bietet allerdings nicht wirklich erkennbar neues.
Mit der ersten Singleauskopplung "The kiss of dawn" geht es weiter. Der düstere und tiefe Gesang in den Strophen steht hier in deutlichem Kontrast zum freundlicher gesungenen Refrain, der dem Lied so ein wenig von seiner Schwere und Bedrücktheit nimmt. Leider langweilt die mehrfache Wiederholung des Refrains schnell und so kommt die Variation der Melodie im letzten Drittel des Liedes gerade recht. Sie gibt dem Song noch einmal die nötige Wendung, um auch diesem zu etwas mehr Individualität zu verhelfen.
"In our hearts love keeps sweet-talking to despair and goes on sleepwalking past hope" heißt es im fünften Titel des Albums, welcher mit einem kurzes Pianosolo beginnt, eh erneut die Gitarre einsetzt. Dieser Song rechtfertigt durch seine Länge, dass die Platte nur 9 Titel enthält, geht er doch beeindruckende 10 Minuten. Besonders hervorzuheben sei in diesem Lied, neben dem Einsatz des Piano, auch die Stimme von Sänger Valo, der mit selbiger ungeahnte Tiefen erreicht und mit ihr selten so viele Variationen bot.
Ein ruhiger Beginn sowie ein ebenso brachialer wie plötzlicher Einsatz aller Instrumente kennzeichnen den Anfang des Tracks "Dead Loverīs Lane". Abwechslungsreichtum in der Melodieführung zeichnen diesen Song wohl am ehesten aus. Auch die Massenkompatibilität scheint durch den bekannten HIM-Sound durchaus gegeben.
Unerwartet und irgendwie nur schwer nachvollziehbar ins Konzept passend, erscheint der Akustiktitel "Song or suicide", der kaum länger als eine Minute geht. Durch seine Platzierung mitten im Album verliert er an Ausdruckskraft und wirkt eher wie ein Einschub als ein kompletter Song - ist dabei aber doch so wunderschön und leider viel zu kurz.
Mit "Bleed well" geht es ganz im musikalischen Stil der Platte weiter. Wieder kommen im zweiten Teil die Riffs und Gitarrensoli zum tragen, bilden sie doch die Grundfesten auf denen dieses Album ruht - oder besser gesagt: rockt.
Mit "Cyanide sun" beschließen die fünf Finnen ihr siebtes Studioalbum. Nach einer knapp einminütigen instrumentalen Einleitung setzt der Gesang ein und sanft von der Melodie dahin getragen nähert sich der Hörer dem Ende der Platte.

Punkt, Satz und Sieg. Zwar kein haushoher, dennoch: HIM sind zurück und überzeugen durch ein stark gitarrenlastiges, düsteres und in Ansätzen progressives Album, das sich viele schon lange genauso gewünscht haben. Mit Venus Doom macht die Band es dem Hörer nicht leicht, ist das Album doch durch zahlreiche Umbrüche in der Melodieführung und etliche Gitarreriffs stark geprägt. Doch wer sagt, dass Musik hören immer einfach sein sollte? Wenn man auch nach mehrfachem Abspielen noch immer etwas Neues entdeckt, macht es doch doppelt so viel Freude, erneut auf Play zu drücken.
Für HIM-Fans allemal ein Muss, so kann man dieses Album doch auch allen empfehlen die (wieder) einer werden wollen.


www.heartagram.com

11. September 2007
Anna Đ finnbands.com

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