Finntroll - Ur Jordens Djup
Spikefarm Records
März 2007
Finntroll - Ur Jordens Djup
Digipack Limited Edition (CD+ DVD)
Trackliste CD:
Gryning
Sång
Korpens Saga
Nedgång
Ur Djupet
Slagbroder
En Mäktig Här
Ormhäxan
Maktens Spira
Under Två Runor
Kvällning
DVD:
Live at Wacken Open Air:
Nattfödd
Det Iskalla Trollblodet
Stürmischer Wind, von ferne ein Horn, Grunzen, leise Schreie, eine zuklappende Tür und scharren untermalt von feinen Glöckchen und Streichern, so fängt der Opener ‚Gryning' an. Hier scheint der Titel des Albums (Aus den Tiefen der Erde) Pate gestanden zu haben. Die Spannung steigert sich zum vorläufigen Höhepunkt und alsbald beginnt der Aufmarsch der Trollhorde, die von Hörnern zum Kampf gerufen wird. Es folgt ein kurzes Innehalten, um dann mit noch mehr Schwung auf ein bombastisch orchestriertes Finale hin zu steuern. Zu diesem musikalischen Hörspiel wird wohl bei jedem Fan von Fantasy Filmen a la Herr der Ringe ein individueller Film im Kopfkino ablaufen. Das was die Herren um Trollhorn da als knapp dreieinhalb minütiges instrumentales Intro auf CD gebannt haben, taugt durchaus für den Soundtrack eines Hollywood-Streifens.
Doch schon bei ‚Sång' ist Schluss mit lustig. Ein richtiger ‚voll auf die Fresse'-Track, bei dem eindeutig die Blackmetaleinflüsse der Band dominieren. Das Keyboard tritt bei diesem Stück weit in den Hintergrund oder ist stellenweise gar nicht zu hören. Aber es währe kein Finntroll Song ohne den typischen Humppasound, aber er wird hier nur minimalistisch in nahezu homöopathischen Dosen eingestreut.
Etwas anders sieht das beim dritten Stück ‚Korpens Saga' aus. Ein grölender Trollchor bildet die Einleitung, gefolgt von einem kurzen harten Zwischenspiel. Was dann folgt, sind die für Finntroll typischen Humppa Elemente, die zwischenzeitlich von der Melodieführung sogar an finnischen Schlager erinnern. Aber auch dieses Intermezzo ist wieder nur von kurzer Dauer, denn bald schließt sich daran eine weitere vorwärtstreibende Doublebasspassage an. Dieses Wechselspiel wiederholt sich noch mehrmals, wobei jede dieser Passagen ein bisschen anders klingt.
‚Nedgång' kommt zu Anfang schnell daher, wird sehr bald aber von einem ruhig gesprochenen, spannungsgeladen unterlegten Abschnitt unterbrochen. Von einem grollenden Schrei zurück in Leben gerufen stampft der Song danach erst richtig darauf los. Hier wird auch wieder die volle Orchestrierung aufgefahren, die bei den beiden vorher gehenden Stücken doch dezent im Hintergrund gehalten wurde. Eine erwähnenswerte Besonderheit ist, dass Vreths hohes Kreischen gegen Ende des Liedes von Flötentrillern akzentuiert und es dadurch noch stärker hervor heben.
‚Ur Djupet' beginnt mit tiefen Hörnern und akustischer Gitarre. Ein Schrei zerreist Luft und jetzt wird auch wieder schön die Doublebass ausgepackt, wie bei allen Finntroll Songs darf aber auch hier der Folkpart nicht fehlen. Dieser Song, den ich für das schwächste Stück des Albums halte, haut mich richtig nicht vom Hocker.
Bei ‚Slagbroder' gibt es zur Abwechslung mal keine ruhige Einleitung, sondern gleich den Vorschlaghammer. Fast durchgängig wird hier die Doublebass bedient und viele hohe Kreischpassagen sind eingearbeitet. Man hört hier eindeutig aus welcher musikalischen Ecke Vreth gesangstechnisch kommt. Das wohl am meisten vom Blackmetal beeinflusste und härteste Stück des Albums.
Wie immer sind sich die Herren auch auf ihrem vierten Album treu und somit unberechenbar geblieben. ,En Mäktig Här' wird mit rumbaartigen Klängen auf karibischer Steeldrum eingeleitet, gefolgt von einer Metal Passage. Die Parts, die sich mit den harten Abschnitten abwechseln, sind sehr variantenreich. Ein nach Westernmusik klingendes Banjo oder mittelalterlich klingende Elemente werde dazugepackt, das unvermeidliche Humppa-Akkordeon darf natürlich nicht fehlen und die immer wieder kehrende Steeldrum unterlegt teilweise auch die harten Abschnitte. Der mit Offbeats durchsetzte Rhythmus geht einem ins Blut. Was dieses Lied ausmacht ist der wilde Mix der verschiedensten Stilrichtungen, bei dem ein instrumentales Thema oft nur kurz eingestreut wird. Durch und durch verrückt und dadurch typisch Finntroll. Mein persönliches Lieblingsstück auf diesem Album.
Wer gedacht hat es bleibt jetzt lustig, der liegt vollkommen falsch. Schon bei den ersten Klängen von ‚Ormhäxan' wird klar, dass vorher nur kurzzeitig ein Gang zurückgeschaltet wurde. Das Stück kommt enorm trashig daher und es wird durchweg drauf los geholzt.
Wieder das Banjo! Jedoch wird dieses Mal im Anschluss ohne Rücksicht auf Verluste drauflos geprügelt. ‚Maktens Spira' ist extrem schnell und es geht auch etwas in die Trash-Ecke, doch im Gegensatz zum vorhergehenden Stück sind hier immer wieder ruhigere Breaks eingearbeitet.
Under Två Runor beginnt wesentlich langsamer als die beiden vorangegangenen Lieder und hier wird wieder gemischt. Die Musik fängt hart an, wechselt sich ab mit ruhigeren Erzählpassagen, epischen Momenten, ganz ruhigen Akustik-Parts Windrauschen und Tierstimmen. Das war aber nur quasi das Luftholen, um dann im Mittelteil in bester Blackmetalmanier richtig drauf los zu prügeln. Irgendwie ist es passend die Musik am Ende einfach auszublenden wobei im Anschluss noch mal das Käuzchen aus dem ruft.
Kvällning stellt das instrumentale Outro dieses Albums dar. Schifferklavier und Akustikgitarre bilden hier das Grundgerüst, welches dann mit den unterschiedlichsten Geräuschen und Instrumentierungen unterlegt wird. Schön relaxt, ruhig und gar nicht Metal. Ein bisschen mehr als zweieinhalb Minuten, dauert das ganze bevor es ruhig wird. Mit Verwunderung betrachtet man die Anzeige, denn immerhin soll der Track knapp 13 Minuten lang sein. Nach mehr als acht Minuten Stille haben die Herren noch einen Hidden-Track drauf gepackt. Witziges Teil mit Banjo, Blockflöte, Mouthharp und allem möglichen Schlagwerk. Dazu grölt die gesamte Trollhorde im wohl nicht mehr so ganz nüchternen Zustand ein munteres Liedchen.
Das Album klingt im Ganzen härter und dunkler als sein Vorgänger. Der erste Track mit Vocals ;Sång' gibt eindeutig die Marschrichtung für das gesamte Album vor. Düster, böse aber trotzdem noch ganz Humppa.
DVD:
Die als Zugabe für die Limited Edition gemachte DVD ist eher was für echte Fans oder Sammler, denn die Mitschnitte sind von den Bildern her sehr dunkel und besitzen keine sonderlich gute Ausleuchtung, was aber auch an den schlechten Lichtverhältnissen, die beim Konzert selbst vorherrschten, liegen kann. Der Sound ist annehmbar, soweit ich das, abgespielt auf meinem alten TV-Kleingerät, beurteilen kann.
finntroll.net
September 2007
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