Carmen Gray - The Portrait of Carmen Gray

Sony BMG Finland
20.09.2006

1. Looking For Love
2. Lost In My Mind Again
3. I'm No Good Anymore
4. Unbeloved
5. My Mistake
6. Color Blind
7. Lying With You
8. Missunderstood
9. A Thing About Love
10. Pieces Of My Broken Heart
11. A Grain Of Sand



Nach einer längeren Stöbertour in unserem Partnershop futilemusic.org entschied ich mich, mir doch endlich das Album von Carmen Gray zuzulegen. Eine Band, die mir schon vor längerer Zeit auffiel, von der ich mir bisher aber nichts anschaffte und bei der ich auch noch nicht das Vergnügen einer Live-Erfahrung machen konnte.
So nun landete diese CD in meinem Player und erfreute bereits mit den ersten Tönen Looking for Love meine Ohren. Gute Gitarren, genau die richtige Dosis Bass und Drums und eine Stimme, die dazu neigt, einen umzuhauen. Eigentlich ist es schon fast verboten gefährlich, wenn sich bereits der Opener so extrem im Ohr festsetzt.
Dummerweise habe ich langsam das Gefühl, keine neue CD mehr hören zu können, ohne das eine oder andere dazu zu Monitor bringen zu müssen. Wie schnell man sich daran gewöhnen kann, aber wenn man so etwas Gutes zu hören bekommt, macht es auch noch richtig Spaß!
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht langsam dem Mainstream verfalle, denn Lost In My Mind Again hat wieder diese ohrwurmige Melodie, in die man sich bereits beim ersten Mal verhören kann. Und dieses "dubdudududu" der Backingvocals erfüllt klassische Voraussetzungen für einen Sommerhit. Nun gut, das wird Lost In My Mind Again sicher nicht werden -hoffentlich. Schließlich gibt es nichts Schlimmeres als Songs, die halbstündlich im Radio gespielt werden. Diesen Song zeichnen auch noch andere Qualitäten aus - ich mag schon bald sagen die typischen für Carmen Gray, nämlich die in meinen Augen perfekte Abstimmung zwischen Instrumental- und Gesangsmelodie, der richtige Einsatz des richtigen Instrumentes an der richtigen Stelle und nicht zu verachtende Lyrics.
I'm No Good Anymore beginnt wieder mit viel Gitarre - und Backingvocals bevor die Leadvocals vom Keyboard eingeleitet beginnen. Und dabei stellt sich die Frage, wie solch ein Herzschmerz einen doch zur Party bringen kann. Aber vielleicht erleichtert es einem tatsächlich das Leben, wenn man sich von allen weltlichen Gütern trennt, auch wenn man dabei beschließt, nicht mehr gut sein zu wollen.
This is a lovesong, I never wrote ..... und dabei wunder wunder schön! Genau das ist Unbeloved. Traurige, melancholische Stimmungen unterstrichen von Streichern, eine klagende Stimme getragen von einer klagenden Melodie, ein bald zu Tränen gerührter, in einer völlig anderen Welt versunkener Zuhörer!
My Mistake holt einen aus der verträumten Welt des unbeabsichtigten Lovesongs wieder zurück in die Wirklichkeit. Sehr eingängig, dass man bereits in der zweiten Hälfte des Songs beim ersten Hören zum Mitsingen neigt. Der Song beginnt mit einer von Chor gesungenen Textzeile, bevor die Instrumente einsetzen. Und ich bilde mir ein, etwas klassischen 80er Bon Jovi Sound hören zu können, aber nur wenig.
Color Blind beginnt mit einigen Drumhits und einem Gitarrensolo. Ich bin bald vom Zuhören und Kopfnicken zu sehr gebannt, als dass ich noch etwas schreiben könnte. Besonders gut gefällt mir im zweiten Vers, dass die Zeilen abwechselnd von Lead- und Backingvocals vorgetragen werden.
Lying With You ist wieder ein langsamerer Song, der von einer keltischen Harfe unterstützt wird, und zum Ende hin schneller und rockiger wird.
Missunderstood beginnt mit viel Keyboard und ruhigeren Tönen. ‚I think I missunderstood - the meaning of good' wird klagend vorgetragen, aber auch hier werden die sanften Töne in einer Mischung mit den härteren Klängen in Einklang gebracht, die in A Thing About Love gipfeln. Denn ein richtig rockiger Song mit absoluter Ohrwurmgefahr folgt im Anschluss, der verdammte Lust auf Party macht, nicht nur weil die Gesamtanteile des Refrains überwiegen. Sowie der Song endet, ist die Versuchung einfach zu stark, nicht doch auf Repeat zu drücken. "I don't care, I don't know".
Pieces Of My Broken Heart beginnt mit Keyboard, Gitarren, Drums…. Zwei Strophen folgen, bevor der erste Refrain einsetzt. Eigentlich eine sehr fröhliche Melodie für derart melancholische Lyrics, aber genau dieser Widerspruch macht diesen Song aus. Und auch zum Ende hin können die einzelnen Puzzleteile des gebrochenen Herzens nicht wieder zusammengesetzt werden, nur sollte man den Versuch nicht aufgeben!
Die keltische Harfe kommt auch bei A Grain Of Sand wieder zum Einsatz, die den Song mit einem Solo beginnen lässt, bevor ein gesungenes Intro folgt, bis der richtige, von Gitarren unterstützte Sound einsetzt und der Song eine zu Beginn nicht erwartete Härte erklingen lässt, vielleicht der härteste Song des Albums - und mit Abstand der längste, der diverse Facetten des musikalischen Repertoires der Band widerspiegelt. Zum Ende hin wird ein "Narrative", ein Zitat von William Butler Yeats, vorgetragen bevor ein letzter Refrain wiederholt wird und A Grain Of Sand ein Outro findet.

Gesamt gesehen eine wunderbare CD, die unbedingt hörenswert ist, auch wenn man Gefahr läuft, sich in diese Band zu verlieben. Eine gute musikalische Umsetzung der einzelnen Songs, eine gute Mischung im Album. Es macht definitiv Spaß zuzuhören und es hört sich durchgehen so an, als hätte auch die Band eine Menge Spaß an ihren Songs. Wohl das Beste, was ich in letzter Zeit an neuen CDs hören durfte.
Und ein erneutes Drücken der Playtaste nach dem Verklingen der letzen Harfentöne.
Fazit: kaufen!



carmengray.net

20. Juni 2007
Niina © finnbands.com


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