Hanoi Rocks - Street Poetry
WolfGang Records
5. September 2007 (Finnland Release)
1. Hypermobile
2. Street Poetry
3. Fashion
4. Highwired
5. Power of Persuasion
6. Teenage Revolution
7. Worth Your Wight In Gold
8. Transcendental Groove
9. This one's Rock'n'Roll
10. Powertrip
11. Walkin' Away
12. Tootin' Star
13. Fumblefoot And Busy Bee
"Street Poetry" ist das dritte Album der "Hanoi Rocks der Neuzeit" auf welches wir seit Mai mit der ersten Singleauskopplung "Fashion" vorbereitet wurden.
Den Namen hat dieses Album von dem so genannten Straßenpoeten, der vor mehreren zwanzig Jahren seine Zeit vor der Londoner U-Bahn-Station Ladbroke Grove verbrachte, die vorbeieilende Bevölkerung beobachte und dort seine "Street Poetry" schrieb und vortrug. Hanoi Rocks wollen mit ihrem Album an ihn erinnern und widmen ihm einen Song, welcher der CD ihren Namen gibt.
Auch wenn Hanoi Rocks von sich selbst behaupten "besser denn je" zu klingen, sind ihre 80er Jahre Wurzeln in ihrem Sound unverkennbar. Die Schaffung eines neuen Musikstils, der später von Bands wie Guns'n'Roses weiterentwickelt wurde, findet heute seine Perfektion bei seinen damaligen Erfindern.
Wurde doch "Fashion" wegen seiner Massenkompatibilität als erste Single ausgewählt, so sind die anderen Songs genauso eingängig aber weniger poppig.
Wer sich also aufgrund der Single zum Kauf von "Street Poetry" entschloss, wird beim Opener "Hypermobile" enttäuscht sein, weil der Hörer mit einem ganz anderen Musikstil konfrontiert wird. Es ist kein bisschen klassischer Mainstream des Jahres 2007; im Gegenteil könnte dieser Song mit seinen surrenden Gitarren, die einen großen Soloanteil haben, eher aus dem Jahrzehntwechsel der 70er und 80er des letzten Jahrhunderts stammen. Dieses spiegelt sich auch deutlich in den Lyrics wieder, die einige aktuelle Themen der gegenwärtigen Juppigesellschaft kritisieren, die von jenseits des großen Teiches ausgeht und lange nicht mehr so willkommen ist, wie sie es damals war.
"Street Poetry" hingegen ist eher ein Stück der heutigen Hanoi Rocks, poppig in Stil von "Fashion" mit einem Refrain, der das Lied auslaufen lässt und sich dabei in das Gehirn des Hörers brennt. Auch wenn er einem bestimmten Straßenpoeten gewidmet ist, finden sich doch viele andere in den Worten wieder, denn ist nicht jeder Schreiber in einer gewissen Art und Weise ein Straßenpoet? Besonders schön sind die beiden letzten Zeilen: "Might mean nothin' much to you, but it's everything to me". Dieses ist etwas, was wohl jeder für einen bestimmten Teil seines Lebens auf sich selbst beziehen kann.
An der bereits erwähnten ersten Single "Fashion" ist im vergangenen Sommer wohl niemand vorbei gekommen, der irgendwie Augen und Ohren hat. Nicht nur, dass der Song im Mai unsere Sound Advice Hanoi Rocks präsentierte, er wurde auch bei The Voice TV in die Heavy Rotations genommen und sicher auch auf der einen oder anderen Radiostation gedudelt - zumindest in Finnland. Fragt sich nur, ob die gesellschaftliche Kritik auch bei eben dieser angekommen ist!
"Teenage Revolution" fällt besonders durch seine Vielfalt der Melodien auf, wobei der Refrain, unterstütz vom Chor der Grundschule Suomenlinna, besonders ins Ohr geht. Dennoch ist es beeindruckend, wie die Altrocker von Hanoi Rocks, die ihre erste große Erfolgswelle bereits auf Anfang der 80er Jahre zurückdatieren können, zu einer Revolution der Teenager aufrufen - oder vielleicht gerade deshalb, weil sie aus eigener Erfahrung die Veränderungen beurteilen können. Auch wenn die häufige Wiederholung des Refrains zum Ende hin etwas zu lang geraten zu sein scheint, ist die Aussage hinter dem Song eine, der man Gehör schenken sollte: Passt auf euch und eure Welt auf!
"Worth Your Wight In Gold" fängt noch sehr interessant an, zieht sich aber in die Länge und bevor man sich verhört, hat bereits "Transcendental Groove" begonnen. Dennoch hat "Worth Your Wight In Gold" einen fatalen Ohrwurmcharakter.
Dafür verleitet einen die 80er Hymne "This one's Rock'n'Roll" erneut zum hinhören und mitnicken. Ein klassischer Song im ganz alten Stil, der wunderbar umgesetzt wurde und für mich eins der besten Stücke der CD ist. Eine Hommage an den Rock'n'Roll, von Chuck Berry bis hin zu den Rolling Stones.
Mit dem sich anschließenden "Powertrip" werden die Gitarren ein bisschen härter, das Tempo noch mehr angehoben und der Hörer somit auf einen Powertrip geschickt, mit viel Refrain, der leider hauptsächlich aus nur einem Wort besteht und viel Sologitarre, aber auch Drums an den richtigen Stellen.
"Walkin' Away" nimmt das Tempo aus dem Album. Rhythmische Gitarren und Drums und von allen vier Vokalisten gesungene Refrains bringen einen Stil von Hanoi Rocks zum Vorschein, der bisher auf diesem Album noch nicht vertreten war. Und selbstverständlich darf auch Mike Monroes Saxophon nicht fehlen. Nach 3:56' ist die Verschnaufpause jedoch wieder vorbei und die wilden Melodien sind mit "Tootin' Star" zurück. Durch den Einsatz der Mundharmonika erinnert der Song etwas an einen Western und ich sehe vor meinem inneren Auge Frauen mit hochgehobenen Röcken und langen weißen Rüschenunterhosen in einer schäbigen Bar Concon tanzen.
Der Westernstil bleibt auch im letzten Song "Fumblefoot And Busy Bee" erhalten und erfährt sogar noch einen Spannungsaufbau, ähnlich des lonely Cowboys, der in den Sonnenuntergang reitet. Auch ohne Lyrics bringen die Melodien viele Bilder in die Gedanken des Hörers. Dann wird es still, eine Fliege surrt, eine Zeitung knallt. Stille.
Gesamt gesehen ist das Album nicht schlecht, aber eher langweilig, da keiner der Songs besonders hervorsticht, sie aber eine gute Einheit bilden. Hanoi Rocks sind live durch ihre schillernde, energiegeladene Bühnenperformance jedoch eine größere Attraktion als die Retortenversion.
hanoirocks.com
12. September 2007
Niina © finnbands.com