Crumbland - Should I tell you?

Warner / Chappell Music Finland
13. 06. 2007 (Finnlandrelease)


1. Should Have Told You
2. Feel You
3. Little Town
4. Wasting Time
5. Slide
6. Down
7. Slipaway
8. Better Without You
9. In Your Head
10. Go
11. Your King

Was soll man über ein Album schreiben, das durchweg toll ist, außer dass es toll ist? Denn das ist es!

Crumbland haben mit "Should I Tell You?" ein respektables Debütalbum geliefert, das nicht nur musikalisches Talent erkennen lässt, sondern auch Lyrisches. Was beweist, dass es noch junge Bands gibt, die in der Lage sind, ihre Musik wirklich allein zu komponieren - und das nicht schlechter als professionelle Songwriter. Massenkompatibel ist das Album alle mal und dennoch ein Unikat mit eigenem, erkennbaren Stil. Der Facettenreichtum des Silberlings reicht von Rockballaden über leicht progressive Einschläge bis hin zu härteren Grunge-Klängen und bietet somit für jeden Geschmack doch mindestens ein oder zwei herausragende Titel.

"Should have told you" ist das erste der elf Lieder und macht einem direkt deutlich, worauf man sich bei den kommenden Tracks einstellen kann. Langsam baut sich der Song in einem ruhigen, gitarrenlastigen Intro auf, bevor nach einer knappen Minute der Gesang hinzukommt und sich die Melodie nach der ersten Strophe in den Refrain steigert. Spätestens jetzt geht der Song ins Ohr und nimmt den Hörer mit seinen wechselnden Strophen- und Refrain-Parts gefangen.
Der folgende Titel dürfte den geneigten MySpace-Nutzern bereits hinreichend bekannt sein, ist doch "Feel you" schon seit längerer Zeit dort zu finden. Auch hier ist der gewohnte Liedaufbau wieder zu erkennen, welcher nach dem zweiten Chorus jedoch durch eine Art Einschub mit veränderter Melodie unterbrochen wird, um den Worten "Wherever you are, wherever you go, you always surround me. No matter how far, you always surround me." besonderen Ausdruck zu verleihen.
Weiter geht´s mit "Little Town" und das Lied hat es in sich. Schenkt man dem Text keine besondere Bedeutung, macht der Track einfach nur gute Laune. Achtet man jedoch genauer auf das von Jontte Gesungene, dann staunt man nicht schlecht, entpuppt sich dieser Song doch als direkter als die Melodie im ersten Moment vermuten lässt.
Nur mit einem Gitarrensolo beginnt der vierte Track des Albums, dessen Komposition mich in den Strophen teilweise an die Dänische Band Saybia erinnert. In "Wasting Time", dem ersten ruhigeren Titel der Platte, geht es um vergeudete Zeit durch ungesagte und dabei eigentlich doch so wichtige Worte - Herzschmerz inklusive.
Damit ist nun scheinbar auch die erste Runde für die Balladen des Albums eingeläutet. Denn weiter geht es mit "Slide" und somit mit einem meiner bisherigen Favoriten. Einem unglaublich traurigen Song, der durch sein Arrangement genau die Verzweiflung und Hilflosigkeit verdeutlicht, die im Text besungen wird. Die Instrumente ziehen sich in den Strophen hinter den Gesang zurück und kommen erst im Refrain so richtig zur Geltung, was einen den Schmerz direkt am eigenen Leib spüren lässt.
Mit "Down" schließt sich ein nicht weniger dramatischer Titel an. Dieser Song wurde mir beim ersten Besuch des MySpace-Profils der Band zum Verhängnis und lässt mich seitdem nicht mehr los. Obwohl er inhaltlich tiefe Einblicke in die menschlichen Abgründe gewährt und dadurch teilweise erschreckend ist, da so wahr, ist es doch ein so unglaublich schöner Song, dass man ihn einfach lieben muss. Zu Beginn nur von einer Gitarre und Streichern begleitet, kommt die Stimme von Sänger Jontte erst so richtig zum Tragen. Nach dem zweiten Refrain setzt für das kraftvolle Zwischenstück auch das Schlagzeug ein, um für die letzte Zeile wieder dem ruhigen Gesang zu weichen und das Lied angemessen ausklingen zu lassen.
Einen ganz neuen Sound bringt der Song "Slipaway" mit sich. Fängt er doch in den ersten 15 Sekunden mit einer ruhigen Gitarrenmelodie an, so bildet er durch seine plötzlich einsetzende und leicht progressiv anmutende Art einen Kontrast zu den bisherigen Tracks. Die Bassline ist eingängig und gesamt gesehen ist dieser Song energiegeladen und irgendwie erfrischend anders.
Nach und nach einsetzende Instrumente bilden den Auftakt von "Better Without You". Sich aus eigener Kraft aus dem Schatten anderer zu befreien, sich loszulösen und auszubrechen, ist die lyrische Thematik dieses Songs. Obwohl der Titel eher einer der ruhigeren ist, reflektiert er eine gewissen Stärke und Kraft - das Gefühl etwas Erdrückendes erfolgreich überwunden zu haben.
"In Your Head" ist nicht nur das neunte Lied der Platte, sondern auch die erste Singleauskopplung und war bereits auf Platz 1 der Charts des Radiosenders NRJ in Finnland. Auch den regelmäßigen Besuchern von myspace.com/finnbands dürfte dieser Song als Sound Advice bereits hinreichend bekannt sein.
Mit "Go" wird es noch ein letztes Mal so richtig ruhig. Die Instrumente werden nur spärlich eingesetzt und Jontte´s sanfte Stimme trägt uns durch die ersten zwei Strophen bis zum Refrain. Nun wird wieder aus den Vollen geschöpft und sowohl Text als auch Instrumente steigern sich in einen wahren Gefühlsausbruch des Trennungsschmerzes.
Schneller als erwartet kommt man auch schon beim letzten Lied das Albums an, dem Titel "Your King". Erneuter Beginn durch ein Gitarrensolo, bevor Gesang und mit etwas Verzögerung auch die Drums einsetzen. Zwar ist er als letzter Titel vielleicht etwas überraschend gewählt, da oftmals eine Ballade ihren Platz an dieser Stelle findet, dennoch komme ich nach mehrmaligem Hören inzwischen doch zu dem Schluss, dass er hier gar nicht so fehlplaziert ist. Er nimmt dem Vorgänger "Go" ein wenig von seiner Ausdruckskraft, gewinnt selbige dafür jedoch für sich dazu. Die spezielle Melodie des Songs ist eingängig und genau das macht ihn aus und definitiv Lust auf mehr. Schade, dass das Debüt der vier Helsinkier nun auch schon zu Ende ist.

Leider wirkt der immer selbe Liedaufbau der einzelnen Titel auf Dauer und bei genauem Hinhören, trotz zahlreicher Melodievariationen innerhalb der Songs, wenig abwechslungsreich, da die Band zu selten von dieser Struktur abweicht. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt und an dem können sie dank ausreichend musikalischen Potentials sicher auch problemlos arbeiten. - Würde eine Band direkt ein perfektes Debüt abliefern, wäre die Karriere ja auch beendet eh sie überhaupt begonnen hat.

Alles in allem ist "Should I Tell You?" ein wirklich durchweg gelungenes Album, das sich nicht hinter anderen zu verstecken braucht. Interessant wird es sein, die weitere musikalische Entwickelung der Band zu verfolgen, stehen die Chancen auf Erfolg meines Erachtens nach gar nicht schlecht.


www.crumbland.com

15. August 2007
Anna © finnbands.com

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