Moonsorrow - V : Hävetetty

Spikefarm - Records
Januar 2007






1. Jäästä Syntynyt (Born of Ice) | Varjojen Virta (Stream of Shadows)
2. Tuleen Ajenttu maa (A Land driven into the fire)


Zugegeben, es ist eine Herausforderung eine CD von einer Band zu rezensieren, mit der man bisher nicht wirklich etwas anfangen konnte. Um so gespannter war ich also, als ich "V : Hävitetty" ("Chapter V - Ravaged") in meine Anlage schob und aufmerksam den ersten Klängen lauschte.
Noch nicht richtig bei der Sache und von vollster Konzentration Meilen weit entfernt, grübelte ich über den Sinn einer CD mit nur zwei Tracks.
Zwei Songs mit jeweils 30 und 26 Minuten Spielzeit sind in der heutigen Zeit selten und zeugen gleichermaßen von Genie und Wahnsinn. Wie um Himmels Willen kann eine Band damit ein Konzert bestreiten, ohne hinterher halb tot an ein Beatmungsgerät angeschlossen zu werden?
Doch die Finnen werden sich schon etwas dabei gedacht haben und so lasse ich mich von den ersten Klängen von "Jäästä Syntynyt (Born of Ice)" / Varjojen Virta (Stream of Shadows)" - quasi dem ersten Kapitel von MoonSorrow´s Fünftem - einlullen und beginne gedanklich in eine andere Welt zu entgleiten.
Den Stil dieses Silberling´s zu beschreiben, ist nicht einfach. Man benötigt vollste Aufmerksamkeit, um die Höhen und Tiefen richtig in sich aufzunehmen zu können).

So beginnt Lied 1 sehr ruhig - leise Geräusche erklingen und man fühlt sich dazu veranlasst, sich entspannt zurück zu lehnen, um die nächsten 30 Minuten besser zu sitzen. Ein Rauschen kommt hinzu und kurz hat man das Bild eines alten Plattenspielers vor Augen, ehe die ersten Gitarren erklingen und der Puls unweigerlich in die Höhe schnellt. Wann kommt DER große Knall?
Dieser lässt jedoch noch ein wenig länger auf sich warten, denn vorerst werden die Ohren mit einem leisen Chor verwöhnt, ehe Ville seine Stimme zum ersten Mal erhebt.
Der Spannungsbogen wird allmählich aufgebaut und ab der Mitte des Liedes entlädt er sich so gewaltvoll, dass die Minuten nur so dahin fliegen. Am Ende der 30 Minuten fragt man sich dann, wo die Zeit geblieben ist.

"Tuleen Ajenttu maa (A Land driven into the fire)" holt einen dann schlagartig wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, doch da bleibt man nicht lange.
Trommeln und ein hypnotischer Schamanengesang ertönen und im Geiste sieht man sich an einer Klippe stehen, wo der Wind einem um die Ohren fegt, während neben einem ein Lagerfeuer dem Wind trotzt.
Akustikgitarren ebnen den Weg zum nächsten Highlight, welches es wirklich in sich hat. Die Instrumente scheinen sich zu überschlagen und Villes verzweifeltes Geschrei setzt eine Gänsehaut frei, die durch die ruhigen "Pausen" in Form von folkloristisch angehauchten Melodien nur wenig an Intensität verliert. Der musikalische Höhepunkt erstreckt sich über etliche Minuten hinweg und das große Aufkommen von Gitarrenriffs und harten Drums, machen es dem Hörer nicht einfach, in der zu Anfang aufgebauten innerlichen Ruhe zu verharren.
Und dann wird es mit einem Mal wieder ruhiger und MoonSorrow machen sich auf den Weg, den Hörer da abzuliefern, wo sie ihn vor gut einer Stunde eingesammelt haben. Das Einzige was bleibt, ist das Bedürfnis das Album noch ein Mal zu hören.

Fakt ist: MoonSorrow haben ein atmosphärisches und episches Album abgeliefert, welches zumindest mich überzeugt hat. Für dieses Werk muss man sich Zeit nehmen. Es ist definitiv eine CD, die mehr verdient, als nur bei alltäglichen Tätigkeiten wie dem Putzen oder Auto fahren gehört zu werden.
Wer "V : Hävetetty" einmal gehört hat, mag es immer wieder hören und wird es auch nicht bereuen! Denn auch nach mehrmaligem Hören, entdeckt man immer wieder kleine Elemente, die vorher noch nicht da gewesen zu sein schienen.


www.moonsorrow.com

Januar 2007
Puschel © finnbands.com

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