Email Interview mit Chaosweaver




finnbands: Zuerst dachte ich darüber nach, dich zu fragen, ob du Unmengen Geld für einen möglichst geringen Aufwand bekommen möchtest, aber dann fiel mir etwas Besseres ein...
Heutzutage ist die finnische Musikindustrie populärer als jemals zuvor. Die Bands scheinen wie die Pilze aus dem Boden zu sprießen und selbstverständlich sind nicht alle von ihnen so erfolgreich, wie sie es gerne wären. Haben wir bereits ein Übermaß erreicht oder gibt es noch genug Potential, damit es so weiter gehen kann?
Thab Picard: Hey, warte mal... Wir hätten sicher nichts dagegen, Unmengen Geld für wenig Aufwand zu bekommen, aber wenn das nicht passiert, beantworte ich anstatt dessen deine Frage. Auf jeden Fall ist die Frage interessant.
Die Leute sollten verstehen, dass Finnland ein Land wie jedes andere auch ist. Es gibt hier gute Bands, aber für jede gute Band gibt es mindestens 25 schlechte. Es ist großartig, wenn die guten finnischen Bands im Ausland erfolgreich sind, aber hoffentlich geht niemand davon aus, dass alle finnischen Bands automatisch gut sind, denn nichts wäre weiter von der Wahrheit entfernt als das. Es wäre ein Übermaß, wenn die guten Bands nicht die Aufmerksamkeit bekämen, die sie verdienen, weil die Leute durch all diese nicht so guten Bands gelangweilt sind. Allerdings weiß ich nicht, ob wir diesen Punkt inzwischen schon erreicht haben.

finnbands: Oberflächlich betrachtet wirkt der Stil eurer Band irgendwie verrückt, wenn man sich nur die Promo-Fotos anguckt. Was ist der Geist und die wahre Geschichte hinter der Band?
Thab Picard: "Verrückt" ist tatsächlich ein angemessener Ausdruck, um die Seele dieser Band zu beschreiben. Unsere Geschichte geht auf das Jahr 2004 zurück, in dem Max (Bass) und Kole (Gitarre) die Band gründeten. Es folgten viele Wechsel im Line-Up, zwei Demos und nun endlich das Debütalbum. Ich vermute, der Rest unserer Geschichte ist eher langweilig für die Leser.

finnbands: Siehst du dich selbst eher als den netten Nachbarn, mit dem alle gut klar kommen oder bist du eher der finstere, alte Mann, der am dunklen Ende der Straße wohnt und vor dem sich die Kinder fürchten?
Thab Picard: Ich bin irgendetwas dazwischen. Mit meinen Nachbarn komme ich gut klar und im Allgemeinen kennen mich die Leute als freundlichen und hilfsbereiten Zeitgenossen, aber dennoch habe ich auch meine dunkle Seite. Einige Leute haben mich als Furcht einflößend beschrieben, es aber nie geschafft, das einmal näher zu erläutern. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich je eine Person getroffen habe, die nicht denkt, dass ich irgendwie sonderbar bin.

finnbands: Wenn du dich für die zweite Alternative entschieden hast: Warum macht es dir Spaß, Kinder zu erschrecken?
Thab Picard: Ich erschrecke niemanden mit Absicht, das passiert immer aus Versehen. Und für gewöhnlich sind es die Erwachsenen, die mich gruselig finden, die kleinen Kinder halten mich in der Regel eher für lustig. Sie lachen nicht mit mir, sie lachen über mich.

finnbands: Ihr habt ein komplettes Studio-Tagebuch geschrieben, während der Aufnahmen zu eurem Album. Kannst du die wichtigsten und interessantesten Dinge eurer Arbeit für all diejenigen zusammenfassen, die das Tagebuch nicht gelesen haben? Vielleicht kannst du einige Geschichten über lustige Vorfälle oder unerwartete Ereignisse mit uns teilen...
Thab Picard: Ich war zwar nicht die kompletten fünf Monate dort, habe aber dennoch ziemlich lieb gewonnene Erinnerungen an die Zeit, die wir dort verbrachten. Wenn es um lustige Vorfälle geht, dann bin ich mir sicher, dass es einige waren, allerdings fürchte ich, dass mein Gedächtnis diesbezüglich komplett ausgelöscht ist. Ich erinnere mich allerdings an ziemlich viel willkürliches Zeug, wie zum Beispiel an das Pro Evolution Soccer spielen mit unserem Drummer Jack, das endlose Starren in die komplette Dunkelheit vor unserem Haus oder die Versuche, gute Keyboardsounds im Studio zu finden. All diese Dinge tat ich mit einem kalten Bier in der Hand, was irgendwie das Hauptthema der Sessions für dieses Album war.

finnbands: Zu Beginn dieses Jahres habt ihr Cypher Commander als neuen Sänger der Band vorgestellt. Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass ihr die Veränderung knapp drei Monate vor Veröffentlichung des Albums bekannt gegeben habt, dann scheint es wie eine gut durchdachte, aber dennoch ziemlich spontane Entscheidung. War dieser Prozess wirklich so kurzfristig, wie er scheint und aus welchem Grund habt ihr euch genau diesen Zeitpunkt für eine öffentliche Bekanntgabe ausgesucht?
Thab Picard: Es ging ziemlich schnell und war spontan, aber es fühlte sich richtig an. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits Cypher Commander's Gesang auf den Tracks gehört und waren uns zu 100% sicher, dass er der Mann für diesen Job ist. Also machten wir es offiziell, direkt nachdem wir entschieden hatten, ihn in die Band aufzunehmen.

finnbands: Eure CD ist bereits veröffentlicht und Kritiker sagen, dass "Puppetmaster of Pandemonium" durch interessantes Songwriting und eine immense Produktion geprägt ist, sowie durch viele Variationen und Wendungen, die etwas Einzigartiges erschaffen. Das klingt für mich nach einer ziemlich zufrieden stellenden Einschätzung für das Debütalbum einer Band, oder?
Thab Picard: Ich werde dich nicht belügen, selbstverständlich fühlt es sich großartig an. Wenn du Musik machst, dann versuchst du ja in erster Linie, dir selbst alles recht zu machen. Doch positive Rückmeldungen von anderen Leuten zu bekommen, ist natürlich toll. Wir haben es nicht darauf angelegt, ein "Bahnbrechendes Dark Metal Meisterwerk" (oder Ähnliches) zu kreieren und ich fordere auch gar nicht, dass Puppetmaster of Pandemonium das ist. Wir wollten nur ein solides Stück Arbeit machen, mit dem wir uns selbst zufrieden stellen und bei dem wir auch noch Spaß haben.

finnbands: Welche eigenen Erwartungen hattet ihr, die Reaktionen der Zuhörer betreffend?
Thab Picard: Wir hatten nicht so viele Erwartungen, obwohl wir natürlich ein bisschen neugierig waren. Man hört seine eigene Musik ein wenig anders, als andere das tun. Es ist also nicht so leicht vorherzusagen, wie andere Leute reagieren werden.

finnbands: Ihr hattet einige Zusammenarbeiten mit Musikern von bekannten Bands, wie Profane Omen, Swallow the Sun und Moonsorrow. Wie kam es zu diesen Kollaborationen auf eurem Album?
Thab Picard: Das war sehr einfach. Wir kannten sie bereits zuvor (oder einer von uns tat das) und wir dachten, dass die Songs in denen sie auftreten von dieser zusätzlichen Verstärkung profitieren würden. Also fragten wir sie und sie waren einverstanden und ich bin fest davon überzeugt, dass ihre Beteiligung den Tracks zu Gute kommt.

finnbands: Euer Album wird im Juni auch in Deutschland erscheinen. Meiner Meinung nach ist es nicht gerade typisch für eine Band, ihr Debüt innerhalb so kurzer Zeit in so vielen Ländern zu veröffentlichen. Wie könnt ihr euch eines Erfolges so sicher sein?
Thab Picard: Wie kann man sich in diesem Leben überhaupt bei etwas sicher sein? Das kann man nicht, man kann nur auf das Beste hoffen. Unsere Plattenfirma Shadow World Records hat gute Arbeit geleistet bei der Verbreitung unseres Albums im Ausland, ich kann also nur hoffen, dass die Leute das Album auch finden werden.

finnbands: Nun da eure Songs aufgenommen sind, könnt ihr Gigs spielen. Wann und wo wird das sein? Und was können die Leute von einer Chaosweaver Show erwarten?
Thab Picard: Die Leute fragen uns viel nach Live-Gigs, was wirklich cool ist, aber da gibt es einige Dinge zu bedenken. Zunächst einmal arbeiten wir nicht wie eine gewöhnliche Band - wir leben alle ziemlich weit voneinander entfernt und proben nicht oft. Zudem haben alle Mitglieder noch andere Sachen in ihrem Leben als Chaosweaver. Außerdem wäre es eine viel größere Herausforderung unsere Musik live zu spielen, als die einer gewöhnlichen Band, aufgrund der komplexen Arrangements. Und als drittes wäre da noch die Tatsache, dass wir die Bühne nicht betreten, wenn wir es nicht anständig hinkriegen würden. Live zu spielen ist also nicht so einfach und selbstverständlich, wie es für viele andere Bands ist und darum haben wir es bisher auch noch nie getan. Aber nachdem ich das jetzt alles gesagt habe, muss ich auch erwähnen, dass der Gedanke an einen Chaosweaver Live-Auftritt für mich nicht so absurd ist, wie es scheint. Wir haben darüber geredet und vielleicht passiert es eines Tages mal, auch wenn es bisher keinerlei Pläne gibt.

finnbands: Wir sind fertig und es ist an der Zeit für ein letztes Statement, wenn es denn noch etwas zu sagen gibt...
Thab Picard: Danke für euren Support! Ich gehe nicht davon aus, dass du noch einmal über dein Angebot nachdenkst, uns viel Geld für einen geringen Aufwand zu geben? Zu Jedem, der dies liest möchte ich sagen: Puppetmaster of Pandemonium ist nun erhältlich. Hört es euch an, wenn ihr euch nach düsterer, bombastischer und verrückter Metalmusik sehnt.



chaosweaver.info



7. Mai, 2008
anna © finnbands.com

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