End Of You - Mimesis
Spinefarm Records
23. April 2008
01. Better God
02. You deserve more
03. Memoir
04. Goldeneye
05. Over and out
06. Paper Trails
07. Blind Rhythm
08. Number 8
09. Driving down the Void
10. In Elegance (Closure)
"A logical successor to the legacy of Depeche Mode and Paradise Lost...End Of You will first entice you and then slice you. Take their hands and Walk With No One to the heart of darkness..." heißt es in der Beschreibung ihrer Plattenfirma. Eine wirklich selbstbewusste Darstellung ihres Könnens, sind oben genannte Bands doch inzwischen zu festen Größen der Musikindustrie geworden.
Dennoch könnte der Plan aufgehen, haben sich End of You mit Hilli Hilesmaa doch einen der bekanntesten und erfolgreichsten Produzenten Finnlands an Board geholt. Wer Bands wie Apocalyptica und HIM zum Erfolg verholfen hat, kann auch für den Nachfolger ihres Debütalbums "Unreal" nicht schlecht sein.
Ob sich die mehr als zwei Jahre lange Wartezeit für die Fans gelohnt hat, wird sich noch zeigen. "Mimesis" bietet jedoch schon bei der ersten Umdrehung im Player ein unglaubliches Spektrum an unterschiedlichen Musikstilen, die man beim erstmaligen Hören gar nicht alle verarbeiten kann. Zu Beginn ist dies vielleicht ein wenig zu viel des Guten, allerdings bringt eine solche Fülle verschiedener Richtungen auch mehr Abwechslung mit sich. So gesehen ein intelligenter Schachzug. Die Garantie für mehrmaliges Hören ist jedenfalls gegeben.
Sphärische Klänge leiten das Album ein, für einen Moment fühlt man sich tatsächlich nicht von dieser Welt und der Trip durch die unterschiedlichsten, musikalischen Universen beginnt. Kraftvoll, abwechslungsreich und getragen von der düsteren Stimme des Sängers Jami bietet "Better God" einen perfekten Einstieg in die Platte.
Spieluhren sind das, woran man ganz zu Anfang denkt, wenn man die ersten Töne von "You deserve more" hört. Mit dem eingängigen Chorous und der anfänglich noch simpel erscheinenden Melodie, die sich im Laufe des Liedes allerdings zu weit mehr entwickelt, haben End of You eine ausgezeichnete Wahl für ihre bereits veröffentlichte Single getroffen. Elektronisch klingende Gitarren treiben den Hörer durch das Lied und geben klar den Ton an. Ein Beat den man so schnell nicht vergisst und den man auch nicht spurlos an sich vorbeiziehen lassen kann.
"Memoir" ist in den Anfangsklängen eines der ruhigeren Lieder auf dem Album. Die entspannte Stimmung, die bei den einleitenden Klaviermelodien entstanden ist, endet jedoch abrupt wieder, wenn die brachialen Gitarren einsetzen. Trotzdem schwimmt das Lieder eher dahin und bietet wenig Abwechslung in den Lyrics. Im Spiel mit den Instrumenten findet sich jedoch mehr Neues als sich auf Anhieb erkennen lässt.
Im ersten Moment muss man schon genau hinhören, um "Goldeneye" als eben solches zu erkennen, klingt dieses Cover des Tina Turner Klassikers zum gleichnamigen James Bond Film doch viel elektronischer als das Original. Wenn Jami allerdings die ersten Textpassagen singt, ist der Überraschungseffekt längst verflogen.
Natürlich kann man sich darüber streiten, ob ein Coversong wirklich nötig war, allerdings dürfte den weiblichen Fans ein klares und deutliches "Ja" zu entlocken sein, besticht die End of You Version doch mit einer ungeheuren Anziehungskraft, der man sich nur schwer bis überhaupt nicht entziehen kann. Band und Sänger bieten mit diesem mysteriösen und dunklen Arrangement wahrscheinlich jeder Frau die Chance, einmal in ihrem Leben ein Bondgirl zu sein - und was für eines!
Wer den Vergleich zu Paradise Lost nach "Over and Out" noch nicht ganz nachvollziehen konnte, dürfte spätestens nach "Driving down the Void" den Bezug zu den Briten gefunden haben. Der ganze Aufbau des Liedes erinnert stark an die seit langem erfolgreiche Band und selbst die Deftones schieben sich einem kurz ins Gedächtnis. Die Vergleiche sind also durchaus passend und selbst wer mit eben genannten Bands nichts anfangen kann, wird bei dem ruhigsten Track des Albums seinen Spaß haben. Gesang und Instrumente passen hier einfach nahezu perfekt zusammen.
Ein weiteres Mal betreten wir die elektronische Welt des Metal. Durchzechte Partynächte sind das Synonym für das so treffend betitelte Lied "Number 8". Die wilde Nacht bekommt allerdings eine erstaunliche Wendung, wenn Jami den Hörer mit seiner flüsternden Stimme bei der Hand packt und mit sich zieht. Unterstützt durch den eingängigen Rhythmus von Gitarre und Keyboard, bietet dieses Lied so manchem Fan die Möglichkeit, gedanklich in verruchte und dunkle Clubs abzutauchen und trotz des ruhigen Tempos wird "Number 8" so schnell nicht langweilig.
Einen absolut überraschenden und wirklich heftigen Kontrast bietet das Lied "In Elegance (Closure)" zum Rest des Silberlings. Der stilistische Unterschied zu den anderen Songs kommt so plötzlich, dass ich kurzzeitig glaube, ein anderes Album zu hören. Kontrabass, Perkussion und Cello sind aber einmal mehr der Beweis für das Talent der Band, ihre Hörer in andere Universen zu entführen, sie aber brav am Ende der Reise wieder auf der Welt abzusetzen. Während das Cello eine leicht bedrückende (Abschieds-)Stimmung hinterlässt, fragen wir uns zusammen mit Songwriter Jami "My time has come to the end. Why won't you let me go? Today I won't get you out of my mind".
Mehr Intensität und Tiefe sollte auf ihrem zweiten Studioalbum zum Ausdruck gebracht werden. Anspruchsvoller sollte sie werden, ohne jedoch ihren melodischen und groovigen Charakter zu verlieren, welcher die Band seit Beginn ihres Bestehens auszeichnet. Dies war jedenfalls ihr erklärtes Ziel.
Mit "Mimesis" haben End of You dieses Ziel auf jeden Fall erreicht, wenn nicht sogar noch viel mehr! Blicken wir also entspannt auf die Zukunft dieser Band und freuen uns bereits jetzt auf ein drittes Album.
End Of You
11. April 2008
Sabrina © finnbands.com